Eure Fragen an uns – Kol 2,16 & Gal 4,10 – Sabbat & Feste ungültig?

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Kol 2,16 So lasst euch von niemand richten wegen Speise oder Trank, oder wegen bestimmter Feiertage oder Neumondfeste oder Sabbate; [SLT]

Zu diesem Vers wird oft gesagt, dass der Sabbat und andere biblische Festtage, die im sog. Alten Testament geschrieben stehen, nicht mehr gültig seien.

Zum besseren Verständnis dieser Stelle, ist es hilfreich zu wissen, wie unterschiedlich dieser Vers von deutschen Bibeln übersetzt wird:

Kol 2,16 Lasst euch deshalb von niemand verurteilen, nur weil ihr bestimmte Dinge esst oder trinkt, oder weil ihr bestimmte Feste oder Feiertage oder Sabbate nicht beachtet. [NEÜ]

Kol 2,16 Lasst euch deshalb von niemandem verurteilen, nur weil ihr bestimmte Dinge esst oder trinkt oder weil ihr bestimmte Feiertage, religiöse Feste oder Sabbate haltet oder nicht haltet. [NLB]

Kol 2,16 Darum lasst euch keine Vorschriften machen über eure Ess- und Trinkgewohnheiten oder bestimmte Feiertage, über den Neumondtag und über das, was man am Sabbat tun darf oder nicht. [HFA]

Kol 2,16 Niemand soll euch also Vorhaltungen machen wegen dem, was ihr esst oder trinkt oder was ihr an den Festen, am Neumondstag oder am Sabbat tut. [NGÜ]

Man erkennt schnell,

  • dass die erste Variante von einem “nicht beachten der Feste, Feiertage oder des Sabbats” spricht,
  • der nächste von einem “halten oder nicht halten” dieser Tage
  • und die letzten beiden (im Gegensatz zu den anderen Varianten) gehen fest von einem Halten dieser Feste aus; man soll sich aber beim Halten dieser Feste keine Vorschriften machen lassen, was man an diesen Tagen “tun darf oder nicht“.

Also kurz um: Extrem unterschiedliche Übersetzungen. Aber welche ist richtig?

Ein genaueres Verständnis erlangt man – man muss mittlerweile schon sagen: mal wieder – wenn man sich den Vers nicht isoliert, sondern in seinem Zusammenhang ansieht. Denn dieser Vers ist eingebettet in einen Kontext, den Paulus davor und danach klarmacht; davor schreibt er, wie wir bereits bei der Betrachtung zu Kol 2,14 sehen konnten:

Kol 2,8 Gebt Acht, dass euch niemand mit der leeren Vorspiegelung einfängt, euch die wahre Religion zu bringen. Das beruht doch alles auf Menschenlehren und hat nur mit den Prinzipien der Welt zu tun, aber nicht mit Christus. [GNB]

Danach schreibt er:

Kol 2,20-23 Wenn ihr nun also mit Christus gestorben seid und die Prinzipien dieser Welt für euch hinfällig geworden sind, warum lebt ihr dann so, als wärt ihr immer noch ein Teil dieser Welt? Ihr lasst euch vorschreiben: »Damit darfst du nichts zu tun haben! Davon darfst du nicht essen! Das darfst du nicht einmal berühren!« Dabei geht es hier doch immer nur um Dinge, die sowieso keinen Bestand haben, Dinge, die dazu da sind, dass man sie verbraucht! ´Wer solchen Forderungen nachkommt,` folgt damit lediglich den Geboten und Lehren von Menschen. Zugegeben, es handelt sich um eine Frömmigkeit, die den Anschein besonderer Weisheit hat: dieser selbstgewählte Gottesdienst, diese Demut, diese Schonungslosigkeit gegenüber dem eigenen Körper! Doch das alles ist ohne jeden Wert und dient nur dazu, das menschliche Geltungsbedürfnis zu befriedigen. [NGÜ]

Er warnt also davor und danach vor “Geboten und Lehren von Menschen“, die sich andere “vorschreiben lassen“.

Genauso verhält es sich auch mit der Stelle im Galaterbrief, bei dem eine ähnliche Aussage geschrieben steht:

Gal 4,10-11 Ihr fangt an, auf besondere Tage, Monate, Zeiträume und Jahre zu achten. Ich fürchte, dass meine Arbeit an euch vergeblich gewesen ist. [NEÜ]

Auch hier klärt der Zusammenhang der Stelle die Worte des Paulus auf – man muss hierzu nur ein paar Verse zuvor lesen, wovon er eigentlich redet:

Gal 4,8-11 Früher, als ihr Gott nicht kanntet, habt ihr Göttern, die in Wirklichkeit gar keine sind, wie Sklaven gedient. Aber jetzt kennt ihr Gott – besser gesagt: Gott kennt euch –, wie kann es da sein, dass ihr euch wieder diesen armseligen und schwachen Prinzipien zuwendet und ihnen erneut wie Sklaven dienen wollt? Ihr fangt an, auf besondere Tage, Monate, Zeiträume und Jahre zu achten. Ich fürchte, dass meine Arbeit an euch vergeblich gewesen ist. [NEÜ]

Fragen, die sich einem nach diesen Versen aufdrängen:
Wenn in Gal 4,10 wirklich vom Sabbat und anderen Festtagen Gottes die Rede sein sollte und deswegen Paulus um sie Angst hat (weil sie diesen Dingen erneut wie Sklaven dienen wollen):

– Waren dann diese erwähnten Götter, die in Wirklichkeit gar keine sind, der Gott Israels? Sicherlich nicht.
– Waren diese armseligen und schwachen Prinzipien, denen sie gedient hatten, die Gebote aus dem Gesetz? Natürlich nicht.
– Und wenn diese Dinge ausgeschlossen sind, waren dann dennoch diese besonderen Tage, Monate, Zeiträume und Jahre in Vers 10 diese Feste Gottes?

Eine kurze Zusammenfassung…

… zum Gesamtzusammenhang der Passagen aus Gal 4,10 und Kol 2,16:

  • Paulus schreibt von “Prinzipien dieser Welt“, von “Menschenlehren” und “Göttern, die in Wirklichkeit gar keine sind“.
  • Es werden Forderungen durch “Gebote und Lehren der Menschen” anderen als vermeintliche Pflichten im Glaubensleben “vorgeschrieben“. Davor warnt er.
  • Diese “Menschenlehren” beinhalten das, was “man an den Festen und am  Sabbat” tun darf oder oder nicht. Diese “Vorschriften sollen wir uns nicht machen lassen“, weil sie “ohne jeden Wert” sind.
  • Die “besonderen Tage, Monate, Zeiträume und Jahre, die jene erneut anfingen zu achten“, beziehen sich nicht auf Gottes Feste und was man bei ihnen tut oder nicht, sondern auf die “Götter, die in Wirklichkeit gar keine sind“; er redet nicht von einem falschen Gottesdienst, sondern von einem Götzendienst, den sie früher praktiziert haben und sich nun “wieder diesen armseligen und schwachen Prinzipien zuwenden und ihnen erneut wie Sklaven dienen wollen“.

Anders formuliert: Paulus geht gegen die Menschen vor, die anderen in Christus sagen, was sie nach ihren eigenen “selbstgewählten Gottesdiensten” zu tun und zu lassen haben. Ferner geht er gegen die Gesinnung vor, den alten Götzendienst mit dem wahren Gottesdienst zu vermischen.

Keineswegs spricht er sich gegen die Feste aus oder hebt diese auf. Im Gegenteil: So wie es die beiden letzten deutschen Bibeln richtig – dem Sinn des griechischen Textes gemäß – übersetzen…

Kol 2,16 Darum lasst euch keine Vorschriften machen über eure Ess- und Trinkgewohnheiten oder bestimmte Feiertage, über den Neumondtag und über das, was man am Sabbat tun darf oder nicht. [HFA]
(wie z.B. das “Heilen am Sabbat” laut den Pharisäern nicht erlaubt war, s. Lk 13,14; oder das “Tragen der Matte”: Joh 5,10)

Kol 2,16 Niemand soll euch also Vorhaltungen machen wegen dem, was ihr esst oder trinkt oder was ihr an den Festen, am Neumondstag oder am Sabbat tut. [NGÜ]

… geht er fest vom Halten dieser Feste aus; denn diese hier erwähnten Feste sind die heiligen Feste Gottes (nicht der Juden, wie viele fälschlicherweise meinen):

3Mo 23,1-3 Und der HERR redete zu Mose und sprach: Rede zu den Kindern Israel und sprich zu ihnen: Die Feste des HERRN, die ihr als heilige Versammlungen ausrufen sollt, meine Feste sind diese: Sechs Tage soll man Arbeit tun; aber am siebten Tag ist ein Sabbat der Ruhe, eine heilige Versammlung; keinerlei Arbeit sollt ihr tun; es ist ein Sabbat dem HERRN  in allen euren Wohnsitzen. [CSV]

Man kann sagen:

Auch hier bei Gal 4,10 und Kol 2,16 wird alles ganz klar und frei von Widersprüchen, wenn man sich den jeweiligen Vers und den Gesamtzusammenhang genauer ansieht. Und wie so häufig entpuppen sich dann diese Stellen, die man häufig als Argument für die Aufhebung des Gesetzes benutzte, als das genaue Gegenteil.

Eine abschließende Randbemerkung zu den Festen Gottes:

Da dem Allmächtigen seine Feste sehr wichtig sind, hat er mit ihnen viele geistliche Aspekte verknüpft – u.a. das “gesamte Erlösungswerk unseres Herrn” als auch sog. “prophetische Vorschatten auf zukünftige Dinge”. Auf diese, in den Festen Gottes verborgenen Prophezeiungen geht Paulus direkt im nächsten Vers nach Kol 2,16 ein:

Kol 2,16-17 So richte euch nun niemand wegen Speise oder wegen Trank oder hinsichtlich eines Festes oder Neumondes oder von Sabbaten, die ein Schatten der zukünftigen Dinge sind, der Körper aber ist des Christus. [CSV]

Wie die Feste “ein Schatten der zukünftigen Dinge” sind, kannst du u.a. in dieser Kurzübersicht zu den Festen Gottes erfahren…

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