Eure Fragen an uns – Röm 14 – Alle Tage & alles Essen gleich?

Röm 14,1 Den Schwachen im Glauben aber nehmt auf, doch nicht zur Entscheidung strittiger Überlegungen. [CSV]

Im 14. Kapitel des Briefes an die Römer schreibt Paulus mehrere, leicht missverständliche Aussagen. Sie werden v.a. dann schwierig für uns zu verstehen, wenn man sie nicht in ihrem Zusammenhang liest, nicht weiß wer der Empfänger des Briefes ist und man sein Dilemma zur damaligen Zeit nicht kennt. Im Artikel “der leicht missverständliche Paulus” haben wir versucht, diese Punkte zu veranschaulichen, denn dieses Dilemma führte schon damals dazu, dass die Leser seine Worte nur schwer verstehen konnten; daher schreibt sein Bruder und Apostel Petrus auch Folgendes über ihn:

2Petr 3,16 In all seinen Briefen spricht er ja davon, auch wenn manches darin schwer zu verstehen ist… [ZB]

Kennt man aber den Zusammenhang und weiß von den Problemen, die damals die Apostel, aber v.a. Paulus hatte, versteht man seine Worte besser – u.a. eben weil man sie in ihrem biblischen und historischen Kontext erfassen kann.

Zum Beispiel ist den allerwenigsten bekannt, dass Paulus seinen Brief nicht an irgendwelche heidnischen Römer, die frisch zum Glauben gekommen waren, schrieb, sondern an seine Brüder nach dem Fleisch und daher auch an Gesetzeskundige:

Röm 4,1 Was wollen wir denn sagen, dass Abraham, unser Vater, nach dem Fleisch erlangt hat? [SLT]

Röm 7,1 Oder wisst ihr nicht, Brüder — denn ich rede ja mit Gesetzeskundigen[SLT]

Wenn man sich diesen wichtigen Zusammenhang vor Augen führt, wird man seine Aussagen, wie wir im Volksmund sagen würden: Nicht in den falschen Hals bekommen.

Weiß man das aber nicht und man ist vielleicht selbst kein Gesetzeskundiger (also jemand, der die fünf Bücher Mose nicht gut kennt), dann besteht die große Gefahr, dass seine Worte schwer verständlich werden (wie wir zuvor in 2Petr 3,16 lesen konnten).

Ein Beispiel dazu:

1Kor 10,23 Es ist mir alles erlaubt — aber es ist nicht alles nützlich! Es ist mir alles erlaubt — aber es erbaut nicht alles! [SLT]

Jemand der die Bibel nicht kennt und diesen Vers aus dem Zusammenhang gerissen vorgelesen bekommt, könnte ganz schnell diese Worte falsch verstehen. Aber jemand im Glauben weiß ganz genau, dass ihm nicht alles erlaubt ist. Wir können nicht einfach tun und lassen, wonach uns gerade ist. Das ist ja der alte Mensch, der gekreuzigt werden soll. Wir werden gleich noch einmal zu diesem Gedanken und diesem Vers zurückkommen.

Parallel zu diesem Beispiel ist es bei einem Nachfahren Abrahams und einem Gesetzeskundigen nicht anders. Ähnlich wie ein gottesfürchtiger Gläubiger niemals denken würde, dass er nun alles tun darf, würde auch niemals ein gesetzeskundiger Nachfahre Abrahams auf die Idee kommen, dass in Christus nun alles, wirklich alles rein ist, obwohl Paulus schreibt:

Röm 14,14 Ich weiß und bin überzeugt in dem Herrn Jesus, dass nichts an und für sich unrein ist; sondern es ist nur für den unrein, der etwas für unrein hält. [SLT]

Als erstes, ehe wir mit der Betrachtung fortfahren, gilt anzumerken, dass da nichts von “unrein” steht. Das alt-griechische Wort für “unrein” lautet “akathartos”, hier steht aber “koinos”. Ohne es zu technisch machen zu wollen, hier kurz ein Vers aus unserem Artikel “Apg 10 – Unreines essen erlaubt?“, der leicht nachvollziehbar aufzeigt, dass es einen Unterschied zwischen “unrein” und “unrein” bzw. richtiger “gemein” gibt:

Apg 10,14 Petrus aber sprach: Keineswegs, Herr! denn ich habe noch nie etwas Gemeines [gr. “koinos”] oder Unreines [gr. “akathartos”] gegessen! [SLT]

Das “Gemeine” (also “koinos”) beschreibt im Griechischen entweder ein neutrales “etwas gemeinsam haben” (siehe z.B. Apg 2,44) oder eine aus menschlicher, nicht göttlicher Lehre stammende “Unreinheit bzw. Gemeinheit” (siehe z.B. Mk 7,5).

Man mag jetzt dennoch einwenden, um aufzeigen zu wollen, dass nun doch alles rein ist: “Ja, aber da steht doch ein-eindeutig, dass nichts unrein ist. Wieso solch klare Worte verkomplizieren?”

Wir können diesen Einwand voll und ganz nachvollziehen, aber dieser Unterschied zwischen wirklicher, göttlicher Unreinheit und der aus menschlicher Tradition und Überlieferung ist wichtig, denn Paulus möchte, dass seine gesetzeskundigen Brüder sich von den Überlieferungen der Pharisäer und Schriftgelehrten trennen – genauso wie es uns unser Herr und Meister auch lehrte, als er zu diesen Pharisäern und Schriftgelehrten folgendes sprach:

Mk 7,7-9 Vergeblich aber verehren sie mich, weil sie Lehren vortragen, die Menschengebote sind.« Denn ihr verlasst das Gebot Gottes und haltet die Überlieferung der Menschen ein, Waschungen von Krügen und Bechern; und viele andere ähnliche Dinge tut ihr. Und er sprach zu ihnen: Trefflich verwerft ihr das Gebot Gottes, um eure Überlieferung festzuhalten. [SLT]

Man kann die Stelle aus Röm 14,14 aber auch frei vom Unterschied zwischen “gemein” und “unrein” erklären, denn: So ähnlich wie es für einen gesetzeskundigen Nachfahren Abrahams undenkbar ist, dass Paulus mit seiner Aussage in Röm 14,14 auf einmal und ohne Erklärung in einem Nebensatz die Speisegebote Gottes aufhebt, ist es für einen wahren Gläubigen in Christus offensichtlich (wie vorher kurz aufgezeigt), dass ihm nun nicht erlaubt ist, alles tun zu dürfen, obwohl geschrieben steht:

1Kor 10,23 Es ist mir alles erlaubt — aber es ist nicht alles nützlich! Es ist mir alles erlaubt — aber es erbaut nicht alles! [SLT]

Ist uns nun wirklich alles erlaubt? Auch hier könnte man parallel zum Beispiel zuvor einwenden: “Ja, natürlich ist uns alles erlaubt, denn der Text sagt doch ein-eindeutig, dass mir alles erlaubt ist. Sogar zwei Mal, um es wirklich deutlich zu machen. Also auch hier gilt: Wieso solch klare Worte verkomplizieren?”

Natürlich wissen wir, dass uns im Glauben nicht alles erlaubt ist. Wir sollen weiterhin nicht falsches Zeugnis ablegen, weiterhin nicht stehlen, weiterhin nicht die Ehe brechen usw. Dennoch gibt es aber, erschreckenderweise, Menschen, die sich als Gläubige bezeichnen und ihre sog. “Freiheit in Christus” so ausleben, dass sie einfach alles, wirklich alles als erlaubt ansehen. Diese Freiheit sogar regelrecht feiern, weil sie so nun – laut ihrem Verständnis – alles dank Christus tun und machen dürfen, wonach ihnen ist. Natürlich damit auch allen Gelüsten des Fleisches nachgehen. Erschreckend!

Jeder ernsthaft Christus Nachfolgende weiß aber, dass Paulus in 1Kor 10,23 nicht wirklich “alles ist uns erlaubt” wortwörtlich meint. Genauso ist es für den Gesetzeskundigen mit Röm 14,14. Beide würden niemals auf die Idee kommen, diese Aussagen wortwörtlich zu nehmen.

Ein anderes kurzes Beispiel, um diesen wirklich wichtigen Punkt leichter zu erfassen:
Würden wir ein großes, öffentliches Dinner besuchen und im Vorfeld den Veranstalter fragen, was es denn als Speise gäbe und er uns: “Nur das übliche.”, antworten würde, wüssten wir ungefähr, was es zu essen gibt. Wir wüssten aber gleichzeitig auch (und das ist der Kern in dieser Veranschaulichung), dass es zum Beispiel, keine Hunde zu essen geben würde. Warum? Ganz einfach, weil wir hier in Deutschland keine Hunde essen. Wären wir aber in einem anderen Land, sagen wir mal China, da würde das ganz anders aussehen, denn dort steht Hund auf der Speisekarte. Das heißt also, dass es für uns in Deutschland nicht einmal im entferntesten in den Sinn kommen würde, an einen Hund als Speise zu denken, geschweige denn, ihn dann wirklich zu essen. Für uns wäre klar: Zum Wort “Speise” gehört der Hund auf keinen Fall. Für den Chinesen sähe das aber anders aus.

Und genauso passt auch der Vergleich zwischen uns eher Gesetzesunkundigen und denen aus dem Römerbrief, die aber gesetzeskundige Nachfahren Abrahams sind.
Ein weiterer Vergleich hierzu aus dem Brief an Timotheus zu dem er Folgendes schrieb:

1Tim 4,3-5 Sie verbieten zu heiraten und Speisen zu genießen, die doch Gott geschaffen hat, damit sie mit Danksagung gebraucht werden von denen, die gläubig sind und die Wahrheit erkennen. Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, wenn es mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und Gebet. [SLT]

Bei den Wörtern “alles, was Gott geschaffen hat” und “Speise” würde Timotheus niemals an unreine Tiere denken – genauso wenig wie wir an einen Hund oder ein Kätzchen zum Abendessen denken würden. Natürlich sind aber alle Tiere gut, wie es der Text sagt, aber eben nicht alle gut zur Speise. Und die gut zur Speise sind (wie. z.B. Rind, Lamm, Fisch usw.), haben wohl einige damals als verboten gelehrt – genauso wie das Heiraten in Vers 3. Beides ist aber natürlich gut in den Augen Gottes.

Man kann generell sagen: Wir heutzutage betrachten Dinge völlig unterschiedlich und haben völlig unterschiedliche Grundannahmen. Der eine würde z.B. nie ein Schwein als Speise betrachten, der andere kann nahezu ohne nicht leben.

Und noch einen weiteren Punkt sehen viele anscheinend völlig anders: Wir sind so sehr auf unsere vermeintliche Freiheit, alles essen zu dürfen konzentriert (und viele streiten über dieses Thema), wobei es doch so klar ist, dass z.B. Schweinefleisch zu essen im höchsten Maße ungesund für uns ist. Das kann einem jeder Ernährungswissenschaftler bestätigen. Aber im Grunde benötigen wir die Wissenschaft nicht, denn der Allwissende, der diese Tiere erschaffen hat, weiß, warum er seinen Kindern geboten hat, davon nicht zu essen. Nicht um sie an irgendeinem Genuss zu hindern, sondern weil er um unsere Gesundheit besorgt ist. Diese Sorge war selbstverständlich sowohl vor dem Kreuz als auch nach dem Kreuz da. Also wieso sollte sich das nun auf einmal doch geändert haben?

Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten.

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