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Darf ich oder darf ich nicht? – Unsere Gewissenskonflikte (am Beispiel: Götzenopferfleisch)

Abschließende Gedanken

Zuerst eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:

  1. Wir als Gläubige in Christus halten uns von jedwedem Götzendienst fern. Wir nehmen an keinen Ritualen teil, wir opfern ihnen nicht, wir stellen keine Götzenbilder auf usw. usf.
  2. Götzenopferfleisch zu essen und sich durch Götzen zu verunreinigen (indem man z.B. die zuvor genannten Dinge tut) sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.
  3. Beim Essen vom sog. Götzenopferfleisch geht es um eine Gewissensfrage, d.h. um ein Thema, bei dem es keine göttlichen Ge- oder Verbote gibt.
  4. Wie man mit diesen Gewissensfragen umgeht, ist die individuelle Sache eines jeden Einzelnen.
  5. Diejenigen, die sich ein Gewissen machen, weil sie denken, dass sie dadurch ein Gebot übertreten, sollten das, was das Gewissen verursacht, nicht tun (wie z.B. eben Götzenopferfleisch zu essen).
  6. Diejenigen, die sich kein Gewissen machen (weil sie z.B. die Erkenntnis darüber haben, dass ein Götze nichts ist), sollen aus Nächstenliebe darauf achten, anderen keinen Anstoß zu geben.
  7. Agiert man trotz Erkenntnis in diesem Punkt am Ende nicht in der Nächstenliebe, hat diese Erkenntnis nur aufgebläht. Man hat dann noch nicht erkannt, wie man erkennen soll. Sprich, die Erkenntnis ist nichtig.
  8. Wir als Gläubige in Christus richten einander nicht wegen Gewissensfragen.
    Das heißt: Derjenige, der isst, soll nicht den anderen richten, der aus Gewissensgründen nicht isst; und derjenige, der nicht isst, soll nicht wegen seines Gewissens den richten, der in seiner Freiheit isst.
  9. Der, der isst, ist nicht besser als der, der nicht isst.
  10. Alles, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde.

Auf diesen letzten Punkt und auf die unmittelbar davor getroffene Aussage Paulus’: Wer aber zweifelt, der ist verurteilt, sagten wir ja, dass wir noch genauer eingehen werden. Im Grunde geht es dabei nur um einen einzigen Punkt, der diejenigen Geschwister betrifft, die sich generell wegen vielen Dingen schnell ein Gewissen machen. Und da Gewissen und Zweifel meist im Doppelpack kommen, und leider allzu oft noch von dem falschen Gottesbild begleitet werden, dass unser Gott ein ständig strafender Gott ist, ist es vielleicht für den einen oder anderen doppelt und dreifach belastend, wenn man jetzt so etwas liest, wie: Wer zweifelt, der ist verurteilt“ und “Alles, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde.”.

Daher ist es extrem wichtig zu verstehen:

Paulus seine Aussagen haben einen Kontext.
Sie bedeuten nicht, dass jemand, der wegen der einen oder anderen Sache Zweifel hat, gleich ein Sünder ist. Der Kontext ist, dass sich jemand ein Gewissen hinsichtlich einer bestimmten Sache macht (wie zum Beispiel eben, ob er einen Döner essen darf oder nicht). Ist diese Frage für ihn noch nicht geklärt, springt er zwischen “ist erlaubt” und “ist nicht erlaubt” hin und her. Er hat Zweifel.
In anderen Worten: Aus der Sicht derjenigen Person, die sich ein Gewissen macht, hat die Frage, ob man Götzenopferfleisch essen kann oder nicht, noch mit Sünde zu tun. Ansonsten würde er sich ja kein Gewissen machen. Da er sich aber ein Gewissen macht (sprich er denkt, dass es Sünde sei oder sein könnte) und es dann trotz dieser Zweifel dennoch isst, dem ist es dann auch Sünde. Was ja total logisch und nachvollziehbar ist, denn man denkt ja, dass es Sünde sein könnte. Wenn man dann trotz dieser Zweifel dennoch isst, dem ist es dann auch wirklich Sünde. Daher seine Worte: Wer aber zweifelt, der ist verurteilt, wenn er doch isst, weil es nicht aus Glauben geschieht.

Paulus seine Aussagen beziehen sich also nicht auf Geschwister, die generell mit Zweifeln zu kämpfen haben und sich deswegen irgendwie ständig versündigen. Das sei ferne!
Denn so wie seine Worte: Alles ist erlaubt. oder: An und für sich ist nichts unrein.einen Kontext haben, so haben auch diese Worte einen klaren Kontext, den man nicht missverstehen darf!

… 

Abschließende Bitte:

Wichtig für uns alle ist,
dass wir hinsichtlich der verschiedenen Gewissensfragen,
mit denen wir im Alltag konfrontiert werden,
miteinander reden.

Diese Fragen müssen wir dann anhand der Heiligen Schrift prüfen und nachforschen, ob das “sich ein Gewissen zu machen” in der einen oder anderen Sache berechtigt ist oder nicht.

Sollte es berechtigt sein, dann haben wir etwas gefunden, was in der Heiligen Schrift Gott (und nicht der Mensch) als Sünde definiert. Sollte es unberechtigt sein, weil dazu nichts geschrieben steht,

können wir uns gegenseitig dabei helfen,
frei von diesem unnötigen schlechten Gewissen zu werden.

Denn wir wollen nicht, wie Paulus es schreibt, ein schwaches Gewissen haben, sondern wir wollen im Glauben, in der gottwohlgefälligen Erkenntnis und in der Freiheit Christi wachsen.

Freiheit wovon?

Freiheit von einem schwachen Gewissen. Freiheit von Angst und Zweifel. Freiheit von Menschengeboten. Freiheit davon, von anderen gerichtet zu werden. Und auch: Freiheit vom falschen Gottesdienst.

Was ist damit gemeint?

Manche Geschwister empfinden bei diesen und ähnlichen Gewissensfragen (also bei Fragen, wozu es keine klaren Ge- oder Verbote gibt) eine besondere Form der Heiligkeit, wenn sie sich bestimmter Dinge enthalten. Ob das nun bewusst oder unbewusst gemacht wird, und ob diese Ansichten anderen Geschwistern sich selbst lobend dargestellt werden oder man es eher für sich behält, kann von Person zu Person unterschiedlich sein. Fakt ist, dass uns z.B. eine Speise nicht näher zu Gott bringt; denn wir sind nicht besser, wenn wir essen, und sind nicht geringer, wenn wir nicht essen (1Kor 8,8).

Da diese Denkweise, irgendwie durch spezielle selbstdefinierte Dinge Gott näher zu sein, in diesen und ähnlichen Fällen weit verbreitet ist und die damit verbundene Gefahr für sich und andere allgegenwärtig ist, greift Paulus sie immer und immer wieder auf. Denn damals wie heute gibt es Geschwister, die sich (durch das Enthalten von bestimmten Dingen: “Das darfst du nicht tun.”, “Das nicht essen!” usw.) Gebote machen, die gar keine sind. Wenn diese dann noch anderen als Gottes Gebote weitergegeben werden, wird’s brandgefährlich. Denn genau davon hat uns ja Christus befreit: von Menschengeboten!
Da diese Gefahr aber allgegenwärtig war (und heute noch ist!), geht Paulus nicht nur im Brief an die Korinther, sondern in nahezu allen seinen anderen Briefen darauf ein. Die passendste Stelle dazu ist sicherlich diese hier:

Kol 2,21-23 »Rühre das nicht an, koste jenes nicht, betaste dies nicht!« — was doch alles durch den Gebrauch der Vernichtung anheimfällt — Gebote nach den Weisungen und Lehren der Menschen, die freilich einen Schein von Weisheit haben in selbst gewähltem Gottesdienst und Demut und Kasteiung des Leibes, und doch wertlos sind und zur Befriedigung des Fleisches dienen.

Es gibt also Geschwister, die sich ihre eigenen Gebote machen, wie z.B. “Das darfst du nicht. Das ist nicht erlaubt. Das ist dieses, jenes, welches, deswegen gilt dies und das …” usw.
Diese Gebote nach den Weisungen und Lehren der Menschen sind aber nicht sofort als Menschengebote erkennbar, denn sie haben freilich einen Schein von Weisheit (weil z.B. aus dem Zusammenhang gerissene Verse genutzt werden oder Gebote völlig falsch interpretiert werden; Dinge, die bei Torah-haltenden Geschwistern leider besonders häufig vorkommen). Diese Gebote nach den Weisungen und Lehren der Menschen sind aber aus einem weiteren Grund nicht sofort als Irrlehren erkennbar, denn sie wirken meist besonders heilig und demütig, weil sie oft mit Verzicht und Kasteiungen des Leibes zu tun haben (denn man darf ja dieses, jenes, welches nicht mehr tun). Diese Art von Gottesdienst – so demütig, heilig und gottwohlgefällig er auch erscheinen mag – ist am Ende dennoch ein selbst gewählter Gottesdienst, der wertlos ist und zur Befriedigung des Fleisches dient.

Wichtig bei alledem ist, dass Paulus seine Worte speziell an diejenigen richtet, die aktiv diese Menschengebote propagieren. Das beinhaltet nicht zwingend Missverständnisse, also diejenigen Fälle, wo Geschwister einfach ein falsches Verständnis haben und daher denken, dass man das eine oder andere nicht tun darf. 

Da sich aber die Welt inklusive der Kinder Gottes in Babylon, also in der puren Verwirrung befinden und obendrein jetzt neu zur Torah aufwachen, sind diese Missverständnisse und die daraus resultierenden Konflikte leider unvermeidbar. Traurig, aber wahr.

Daher gilt auch hier, wie in vielen anderen Fällen auch: 

Wir alle haben Erkenntnis. Die Erkenntnis bläht auf,
die Liebe aber erbaut.

In diesem Sinne uns allen:
Gottes Gnade, Wahrheit und Liebe!

V1.0

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