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Darf ich oder darf ich nicht? – Unsere Gewissenskonflikte (am Beispiel: Götzenopferfleisch)

Römer 14

In diesem Kapitel kommt das Wort “Götzenopferfleisch” in dem Sinne nicht vor, aber wenn man genau hinguckt, wird man erkennen, dass Paulus auch hier dasselbe lehrt wie zuvor – nur hier nicht allein auf das Götzenopferfleisch reduziert, sondern viel umfassender. Er geht generell aufs Essen, aufs Trinken, das Halten gewisser Tage als auch auf andere Dinge ein, die für den einen kein Problem darstellen, für den anderen aber sein Gewissen beflecken und so zum Anstoß werden können.

Er beginnt mit:

Röm 14,1-3 Nehmt den Schwachen im Glauben an, ohne über Gewissensfragen zu streiten. Einer glaubt, alles essen zu dürfen; wer aber schwach ist, der isst Gemüse. Wer isst, verachte den nicht, der nicht isst; und wer nicht isst, richte den nicht, der isst; denn Gott hat ihn angenommen.

Im Grunde sagt Paulus hier dasselbe, was wir schon im Korintherbrief gelesen hatten: Derjenige, der sich beim Essen von Fleisch (was eben dann auch Götzenopferfleisch sein kann) ein Gewissen macht, isst es nicht. Derjenige, der sich kein Gewissen macht, isst alles (unreine Tiere selbstverständlich ausgenommen). Wichtig dabei ist nur, dass man sich am Ende nicht gegenseitig richtet oder gar verachtet. Daher schreibt er dann einige Verse später:

10 Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden ja alle vor dem Richterstuhl des Christus erscheinen;
13 Darum lasst uns nicht mehr einander richten, sondern das richtet vielmehr, dass dem Bruder weder ein Anstoß noch ein Ärgernis in den Weg gestellt wird!

Erneut sehen wir, dass es Paulus bei diesem Thema (wo es wegen dem Gewissen entgegengesetzte Ansichten gibt) extrem wichtig ist, dass zwei Dinge nicht geschehen:

Gegenseitig richten
und
dem Nächsten einen Anstoß geben.
Beides darf bei aller “Freiheit in Christus”
auf keinen Fall geschehen!

Er fährt dann fort mit:

14 Ich weiß und bin überzeugt in dem Herrn Jesus, dass nichts an und für sich unrein ist; sondern es ist nur für den unrein, der etwas für unrein hält.

Erneut haben wir einen Vers, der aus dem Kontext seiner Worte gerissen und mit der “Gesetz ist abgeschafft”-Brille sehr leicht missverstanden werden kann. Dass Paulus aber als ein gesetzeshaltender Nachfolger Jesu (Apg 21,24) nicht die Gebote Gottes hinsichtlich der Unreinheit abschafft, ist klar. Er redet hier nicht von göttlichen Geboten, sondern von Dingen, die Menschen selbst für “unrein” halten. Daher schreibt er: es ist nur für den unrein, der etwas für unrein hält.

Wir machen weiter mit:

15-21 Wenn aber dein Bruder um einer Speise willen betrübt wird, so wandelst du nicht mehr gemäß der Liebe. Verdirb mit deiner Speise nicht denjenigen, für den Christus gestorben ist! So soll nun euer Bestes nicht verlästert werden. Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist; wer darin Christus dient, der ist Gott wohlgefällig und auch von den Menschen geschätzt. So lasst uns nun nach dem streben, was zum Frieden und zur gegenseitigen Erbauung dient. Zerstöre nicht wegen einer Speise das Werk Gottes! Es ist zwar alles rein, aber es ist demjenigen schädlich, der es mit Anstoß isst. Es ist gut, wenn du kein Fleisch isst und keinen Wein trinkst, noch sonst etwas tust, woran dein Bruder Anstoß oder Ärgernis nehmen oder schwach werden könnte.

Nachdem wir nun seinen eigentlichen Fokus in allen bisher gesehenen Stellen erkannt haben, steht hier im Grunde nichts Neues, außer, dass Paulus hier das Zusammenspiel aus “Gewissenfragen und Nächstenliebe” ausweitet und prinzipiell auf alles Mögliche anwendet, was wir tun könnten, das unserem Bruder – wegen seines schwachen Gewissens – zum Anstoß werden könnte. Er schreibt: noch sonst etwas tust, woran dein Bruder Anstoß oder Ärgernis nehmen oder schwach werden könnte.

Nachdem er dieses göttliche Prinzip der “Nachsicht und Nächstenliebe” quasi auf alles Mögliche ausgeweitet hat, beendet er das Thema mit einer Art Universalformel:

22-23 Du hast Glauben? Habe ihn für dich selbst vor Gott! Glückselig, wer sich selbst nicht verurteilt in dem, was er gutheißt! Wer aber zweifelt, der ist verurteilt, wenn er doch isst, weil es nicht aus Glauben geschieht. Alles aber, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde.

Die zwei zentralen Aussagen hier sind:

Glückselig, wer sich selbst nicht verurteilt in dem, was er gutheißt!

(Was natürlich erneut nicht bedeutet, dass wir alles Mögliche tun können, nur weil wir es gutheißen.)

Und die zweite zentrale Aussage ist:

Alles aber, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde.

Das heißt, wenn wir etwas tun, wobei wir uns ein Gewissen gegenüber Gott machen, handeln wir zweifelnd und nicht aus Glauben. Das sollen wir logischerweise nicht tun. Daher schreibt er: Wer zweifelt, der ist verurteilt, wenn er doch isst, weil es nicht aus Glauben geschieht.

Auf diese vielleicht einige verunsichernden Aussagen werden wir jetzt im letzten Block näher eingehen.

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