Was sollten wir während des Wartens tun?
Als Einleitung zu der Beantwortung dieser Frage kurz das, was wir zuvor gesagt hatten:
Damit sind wir beim Kern angekommen, denn das Aussenden der Kundschafter hatte mit Sorgen, Zweifel, Ängsten, mangelndem Glauben und mangelndem Gottvertrauen zu tun. Diese Haltung spiegelte sich dann auch in dem wider, was die Kundschafter nach ihrer Reise dem Volk mitteilten. Durch ihre Worte wurden die Sorgen, Zweifel und Ängste des Volkes nur noch größer und der Glaube und das Vertrauen wurde so klein, dass sie alles in Frage stellten, was bis dahin geschehen war.
Und dieses “alles in Frage stellen” kann auch heute passieren. Denn es kann sein, dass manche Kinder Gottes so dermaßen fest überzeugt von dem sind, was ihnen all die “Social Media-Endzeit-Kundschafter” mitgeteilt haben, dass sie sich entweder jetzt schon völlig verunsichert fühlen oder dann, wenn die Ereignisse in der Realität anders ablaufen als von den Kundschaftern prophezeit bzw. ausgelegt, sie dann völlig in ihrem Glauben erschüttert werden. Vielleicht sogar so sehr erschüttert, dass sie ihren gesamten Glauben inklusive Gott in Frage stellen. Sie drohen also, wie jene damals, vom Glauben abzufallen. Aber nicht zwingend aus Rebellion, sondern eben weil sie ein völlig verzerrtes Verständnis von biblischer Prophetie als auch wahrscheinlich von Gott selbst haben.
Damit das nicht passiert, sollten wir uns weniger damit, dafür aber umso mehr mit dem beschäftigen, was wirklich wichtig ist: Unsere Veränderung vom alten zum neuen Menschen in Christus. Denn der alte Mensch hat vor dem Bevorstehenden (v.a. der Drangsal) Angst, Zweifel und mangelndes Gottvertrauen, der neue Mensch in Christus hat Zuversicht, Mut und Glauben. Der alte Mensch versteht nicht unbedingt, warum das geschehen muss, der neue weiß, dass es zwingend notwendig ist. Und zwar nicht nur für die Welt, sondern auch für die Kinder Gottes.
Der alte Mensch beschäftigt sich im Übermaß mit diesen Dingen und sucht Kundschafter, die ihm sagen, was ihn erwartet, der neue Mensch sucht Geschwister, die wie er selbst mit allem ihr Leben für Christus aufgeben. Das (!) gibt ihm Sicherheit, Kraft und Zuversicht. Nicht irgendwelche wilden Auslegungen.
Damit man das alles nicht falsch versteht: Die Prophezeiungen in der Heiligen Schrift sind wichtig. Alle. Aber das Beschäftigen damit muss in einem gesunden Maß bleiben. Beziehungsweise anders ausgedrückt:
Die Prophezeiungen der Endzeit sind weniger dafür da, dass wir wild herumspekulieren, sondern mehr dafür da, dass wir sie kennen und erkennen, wenn sie sich vor unseren Augen erfüllen. Das heißt, dass wir sie – wie zuvor in der Offenbarung gesehen – lesen und bewahren. Denn dafür sind sie da.
Und sie sind auch dafür da, dass wir gewappnet gegenüber Verführungen sind. Nicht umsonst sagt unser Herr zu seinen Jüngern, die ähnlich neugierig waren wie viele heute, vor allem diese eine Sache:
Mt 24,3-4 Als er aber auf dem Ölberg saß, traten die Jünger für sich allein zu ihm und sagten: Sage uns, wann wird das sein, und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gebt Acht, dass euch niemand verführe!
Und heute wird verführt. Und wie! Vor allem eben auch mit Auslegungen biblischer Prophetie. Und das im doppelten Sinne. Einmal, weil der Interpretationsspielraum so groß ist und daher die Verwirrung vorprogrammiert ist und einmal, weil das Thema Prophetie so “spannend” ist, dass auch viele Ungläubige Interesse daran haben und über diese Schiene “zum Glauben kommen”, ohne je etwas von wahrhaftiger Buße, aufrichtiger Umkehr, kompromissloser Nachfolge, hingebungsvoller Selbstaufopferung und wahrer Liebe für Gott und den Nächsten gehört zu haben.
Die eine Verwirrung verwirrt quasi “nur” das Verständnis, die zweite Form der Verwirrung kann den kompletten Glauben verwirren. Und da die gesamte Welt – laut Heiliger Schrift – “Babel bzw. Babylon” genannt wird (was ‘ganz zufällig’ übersetzt: “Verwirrung” bedeutet!), ist es nicht weiter verwunderlich, dass selbst mit der Bibel (da v.a. eben mit Prophetie) Verwirrung gestiftet wird. Ganz so, wie es der Teufel mit unserem Herrn versuchte, als er falsch interpretiert, Verse zitierte.
Daher (um das noch einmal zu unterstreichen):
Biblische Prophetie, v.a. diejenige, die die Endzeit betrifft, dient nicht zur Befriedigung unserer Sensationslust, sondern sie ist uns vor allem deswegen gegeben, damit wir a) anhand dieser Prophezeiungen wachsam und bereit sind und b) verstehen, welche Zeit gekommen ist, wenn die Dinge geschehen, die geschrieben stehen.
Zu dieser Behauptung der Beleg anhand der Worte unseres Herrn:
Mt 24,33 Ebenso auch ihr, wenn ihr dies alles seht, so erkennt, dass es nahe an der Tür ist.
Mt 24,42.44 Wacht also, denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. … Deshalb auch ihr, seid bereit! Denn in einer Stunde, in der ihr es nicht meint, kommt der Sohn des Menschen.
Wir sollen also wachen, wir sollen bereit sein und wenn es dann geschieht, dann sollen wir es erkennen. Da steht nichts davon, dass wir an seinen Worten herumdoktern sollen. Stattdessen sollen wir Folgendes tun:
Mt 24,46 Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, damit beschäftigt finden wird!
Womit? Mit dem, was uns aufgetragen wurde: Mit unserem ganzen Leben für Gott zu leben, wie es uns Christus vorgemacht hat. Das ist unsere Pflicht:
1Joh 2,6 Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der ist verpflichtet, auch selbst so zu wandeln, wie jener gewandelt ist.
Die Summe des Ganzen, also die Summe aus dem Wachen und mit den Dingen beschäftigt zu sein, die einem der Herr aufgetragen hat, ist übrigens auch die Summe des ganzen nächsten Kapitels. Das heißt, die Gedanken aus dem 24. Kapitel werden im 25. Kapitel von unserem Meister ergänzt; und zwar in Form von drei Gleichnissen: das Gleichnis der zehn Jungfrauen, den gegebenen Talenten und den Schafen und Böcken.
Dort werden wir aufgefordert, zu wachen (zehn Jungfrauen), unsere Talente richtig einzusetzen Talente) und die Liebe Gottes (Schafe und Böcke) richtig auszuleben. Das ist der Fokus unseres Herrn, nicht das Interpretieren von Endzeitprophetien. Seine Worte sind (weil es so wichtig ist noch einmal!) vor allem für Folgendes gegeben:
Mt 24,33 Ebenso auch ihr, wenn ihr dies alles seht (also alles, was er zuvor prophezeit hat), so erkennt, dass es nahe an der Tür ist.
…
Bis es soweit ist, sollten wir uns mit den wichtigen Dingen des Lebens beschäftigen, denn …
2Kor 5,14-15 Denn die Liebe des Christus drängt uns, da wir von diesem überzeugt sind: Wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben; und er ist deshalb für alle gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der für sie gestorben und auferstanden ist.
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