Zuerst das “Technische”: Ist die rote Flüssigkeit beim Fleisch Blut?
Sicherlich kennt das jeder: Man packt ein Stück Rindfleisch aus der Packung und dabei sieht man dann Reste einer roten Flüssigkeit. Oder man bekommt ein Steak serviert und beim Schneiden tritt eine rote Flüssigkeit heraus.
Frage: Ist diese Flüssigkeit Blut?
Antwort: Nein. Die Flüssigkeit ist Wasser, das sich noch im Fleisch befindet und das darin enthaltene “Myoglobin” (ein Protein) färbt dieses Zellwasser rot. Es ist also kein Blut, das sich noch im Fleisch befindet, weil das Tier irgendwie nicht richtig ausgeblutet worden ist.
Gut nachvollziehen kann man diesen Punkt, wenn man zum Beispiel ein Stück Hähnchenbrust brät (oder eben eine Packung aufmacht). Auch dort sieht man dieselbe Flüssigkeit. Diese ist aber im Vergleich eher durchsichtig bzw. milchig. Der Grund hierfür ist derselbe wie beim Rind oder Lamm. Das heißt, die Flüssigkeit ist nicht Blut, weil Hühner irgendwie durchsichtiges Blut haben, sondern es ist dasselbe Zellwasser wie beim roten Fleisch; nur dass das Muskelfleisch von Hühnern einen sehr viel niedrigeren Myoglobingehalt hat. Da dieses Protein das Zellwasser eben rot färbt, es aber beim Huhn (v.a. in der Brust) so gut wie nicht vorhanden ist, bleibt diese Flüssigkeit farblos. Wäre es wirklich Blut, müsste es auch bei Hühnerfleisch rot sein. Ist es aber eben nicht.
Warum nicht?
Weil es sich eben bei beiden nicht um Blut handelt.
Das ist jetzt kein umstrittenes Thema oder so, sondern eine klare Tatsache, die jeder selbst nachprüfen kann.
Eine andere Frage, die in diesem Zusammenhang auch häufig gestellt wird, ist:
“Aber was hat das mit diesem Schuss ins Gehirn auf sich? Vergeht da nicht viel zu viel Zeit, bis das Tier ausgeblutet wird? Und ist das nicht eher das Gegenteil vom Schächten?”
Der sog. “Bolzenschuss” ist dafür da, dass das Gehirnzentrum für das Bewusstsein und die Schmerzwahrnehmung des Tieres ausgeschaltet wird.
Wichtig dabei ist, dass das Herz nach dieser Betäubung weiter schlägt. Das ist für das Schächten und Ausbluten im Anschluss notwendig, da ein schlagendes Herz das Blut aktiv aus dem Körper pumpt.
Wichtige Info dabei ist:
Die Lebensmittelindustrie hat großes, großes Interesse daran, dass die geschlachteten Tiere ausgeblutet werden. Warum? Erst einmal, weil die Gesetzgebung in diesem Punkt sehr streng ist, aber vielmehr deswegen, weil damit unmittelbar die Gewinnmaximierung verbunden ist. Das heißt, würden die Tiere nicht ausgeblutet werden, dann würde Folgendes passieren:
- Das Fleisch würde rasant schnell verderben (damit das nicht passiert, müssten die Lieferketten extrem verkürzt werden, was wiederum mit hohen Kosten verbunden wäre).
- Das Fleisch würde optisch viel, viel schlechter aussehen (dunkler, Farbflecken würden entstehen usw.).
- Das Fleisch würde schlechter (metallischer) schmecken.
- Es gäbe kein Blut, das weiterverkauft werden kann.
Das heißt: Je mehr Blut aus dem Tier austritt, desto besser ist das Ganze für das jeweilige Unternehmen, weil am Ende dadurch – ganz nüchtern betrachtet – mehr Geld in die Kasse kommt. Es sind also nicht zwingend die strengen Richtlinien, die die Unternehmen dazu bringen, die Tiere extrem penibel ausbluten zu lassen, sondern eher die Gewinnmaximierung.

