Bergpredigt

Nächster Abschnitt im Zusammenhang – Mt 5,17-20

Unser Herr fährt nun mit seiner in sich geschlossenen Lehre in den Versen 17-20 fort und hat weiterhin seinen Fokus auf dem eingangs erwähnten Königreich der Himmel, siehe hierzu als Beleg Vers 19:

Mt 5,19 Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und die Leute so lehrt, der wird der Kleinste genannt werden im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, der wird groß genannt werden im Reich der Himmel. [SLT]

Diesen Fokus auf das Reich der Himmel wird unser Herr, wie bereits erwähnt, bis zum Ende beibehalten. Er begann in den Versen 3-16 mit den Eigenschaften, die dafür nötig sind und wird gleich in den Versen ab 21 bis zum Ende seiner Lehre mit Beispielen und praktischen Anwendungen fortfahren. Die Verse dazwischen, also Mt 5,17-20, bilden eine Art “Verbindungsstück”.

Das Wichtige bei diesem Verbindungsstück aus Mt 5,17-20  ist, dass unser Herr hier nicht irgendetwas zusammenhanglos sagt. Der Zusammenhang zu seinen Worten zuvor und denen, die noch gleich folgen werden, ist, dass die damaligen “Gelehrten” den Menschen beibrachten, wie man ihrer Auslegung nach in dieses Reich der Himmel kommt. Dabei lehrten sie, dass nicht nur die kleinen Gebote Gottes aufgelöst seien, sondern sie hoben durch ihre eigenen, menschlichen Lehren sogar das ganze Gesetz auf. Hier der Beweis aus dem Munde unseres Herrn an sie:

Mk 7,7-8.13 Vergeblich aber verehren sie mich, weil sie Lehren vortragen, die Menschengebote sind. Denn ihr verlasst das Gebot Gottes und haltet die Überlieferung der Menschen ein … 13 und so hebt ihr mit eurer Überlieferung, die ihr weitergegeben habt, das Wort Gottes auf; und viele ähnliche Dinge tut ihr. [SLT]

Daher, da diese sog. “Lehrer des Wortes” mehr menschliche Traditionen lebten und lehrten, anstatt die Gebote Gottes, stellt der Herr für das “breite Volk” (also auch für uns) folgendes über diese selbsternannte “geistliche Elite” klar:

Mt 5,19-20 Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und die Leute so lehrt, der wird der Kleinste genannt werden im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, der wird groß genannt werden im Reich der Himmel. Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht weit übertrifft, so werdet ihr gar nicht in das Reich der Himmel eingehen! [SLT]

Dies sagt er, weil das Volk fest davon überzeugt war, dass diese sog. “geistliche Elite” wusste, wie man “in das Reich der Himmel kommt”. Eine Parallele, die sich in den nun mittlerweile tausenden von verschiedenen christlichen Glaubensrichtungen bis heute aufrecht erhalten hat. Auch heutzutage glaubt die Mehrheit, dass die Leute “vorne an der Kanzel” ganz genau wissen, wie man in den Himmel kommt. Natürlich immer abhängig davon, in welcher christlichen Denomination man sich befindet.

In den Augen des Volkes waren also diese “Geistlichen natürlich sicher im Himmel”, denn sie waren ja “besonders heilig” – eine weitere Parallele zu unserer heutigen Zeit. Unser Herr stellt diese falsche Sicht durch seine Aussage in Vers 20 in einen krassen Gegensatz; denn er fordert vom Volk und natürlich somit auch von uns, dass unsere Gerechtigkeit die ihre “bei weitem übertrifft“.

Wie wir das schaffen können, lehrt er in der Fülle seiner “Bergpredigt”; denn menschliche Lehren genügen sicherlich nicht dem Anspruch, um in das Königreich Gottes einzugehen. Aus diesem Grund folgt immer wieder seine berühmte Aussage in den nächsten Versen: “Ich aber sage euch“.
Durch dieses “Aber” bringt er jedes Mal ihre menschlichen Lehren mit den seinen, von Gott gegebenen Lehren in eine Gegenüberstellung und stellt auf diese Weise klar wie unsere in Vers 20 erwähnte Gerechtigkeit die ihre bei weitem übertreffen kann und wird – wenn wir auf seine noch folgenden Worte hören und sie auch tun.

Es folgen also in den Versen 21-48 die Lehren der Menschen, die – vermeintlich – das Volk über den Willen Gottes und das Reich der Himmel aufklären sollen. Unser Meister leitet diese falschen Lehren mit seiner Aussage: “Ihr habt gehört” ein (vgl. hierzu Vers 21, 27, 31, 33, 38 und 43). Wir wissen heute nicht bei allen Stellen, was genau diese menschlichen Lehren damals waren. Wir wissen aber, dass z.B. in Vers 43: “deinen Feind hassen“, so nicht in der Heiligen Schrift zu finden ist, aber eben damals gelehrt wurde. An einer anderen Stelle aber zitiert unser Herr klar, was geschrieben steht, wie z.B. in Vers 27: “Du sollst nicht ehebrechen“, sagt aber dennoch: “Ihr habt gehört“. Er macht auf diese Weise klar, dass damals Lehren kursierten, die zwar ihren Ursprung in der Heiligen Schrift hatten (wie eben das “Du sollst nicht ehebrechen“), aber die Auslegung der geistlichen Elite nicht im Sinne der Wahrheit Gottes war.

Beispiele hierzu gibt es viele in den Evangelien, als auch in den Briefen. Hier eine Stelle zur Veranschaulichung, wie Dinge gelehrt wurden, die zwar ihren Ursprung in der Heiligen Schrift hatten, aber dennoch rein menschlicher Natur waren. Auf diese Weise werden (wie bereits zuvor gelesen) die Gebote Gottes durch Menschenlehre aufgehoben:

Mt 15,3-9 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Und warum übertretet ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung willen? Denn Gott hat geboten und gesagt: »Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!« [2Mo 20,12] und: »Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben!« [3Mo 20,9] Ihr aber sagt: Wer zum Vater oder zur Mutter spricht: Ich habe zur Weihegabe bestimmt, was dir von mir zugutekommen sollte!, der braucht auch seinen Vater oder seine Mutter nicht mehr zu ehren. Und so habt ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung willen aufgehoben. Ihr Heuchler! Treffend hat Jesaja von euch geweissagt, wenn er spricht: »Dieses Volk naht sich zu mir mit seinem Mund und ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir. Vergeblich aber verehren sie mich, weil sie Lehren vortragen, die Menschengebote sind[SLT]

Auch heute interpretiert diese sog. geistliche Elite die Heilige Schrift auf unterschiedliche Art und Weise – unzählige Widersprüche unter den Glaubensgruppierungen inklusive. Wie sollen wir da, als das sog. “unwissende Volk”, nun unterscheiden können, was die Wahrheit Gottes ist und was menschliche Tradition und Interpretation?

Das Beste, was wir tun können, ist das ständige Prüfen aller Informationen, die uns zugetragen werden. Daher bitten wir euch auch immer wieder um die Prüfung unserer Aussagen:

1Thes 5,21 Prüft alles, das Gute behaltet! [SLT]

Ehe wir mit Mt 5,21-48 beginnen, gibt es eine weitere wichtige und unmittelbare Verbindung zwischen den Versen aus 17-20 und denen aus 21-48:

Unser Herr weiß, dass die nun in Mt 5,21-48 folgenden Aussagen sehr leicht so verstanden werden könnten, als würde er das Gesetz Gottes als minderwertig erachten oder gar abschaffen – denn er sagt ja zu einigen Stellen aus dem Gesetz: “Ihr habt gehört” und nicht “Es steht geschrieben”.

Ferner werden seine Worte für uns noch verzwickter, weil er im Anschluss betont: “Ich aber sage euch” und fährt dann erst mit seiner eigentlichen Lehre fort. Dadurch wird der Eindruck für uns erweckt, als würde er durch seine Worte “Ich aber sage euch” gegen die Gebote seines Vaters lehren.

Ob das sein kann, beantwortet uns z.B. der folgende Vers. Er wird uns im Anschluss auch den Kern aller seiner “Ich aber sage euch”-Aussagen aufzeigen:

Mt 5,27-28 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: »Du sollst nicht ehebrechen!« Ich aber sage euch:… [SLT]

Wir wissen alle, dass unser Herr nicht das “Gebot gegen den Ehebruch” auflöst; wie absurd wäre das. Er ist entschieden gegen den Ehebruch. Daher schafft er, obwohl er zu der Feststellung “du sollst nicht ehebrechen“, ein “ich aber sage euch” spricht, das Gebot nicht ab, sondern er gibt dem Gebot seinen vollen Sinn, indem er selbst die Gedanken daran als Ehebruch bezeichnet (Vers 28). Er hat also das Gebot durch seine Worte (“Ich aber sage euch“) nicht abgeschafft, sondern mit seinem eigentlichen, von Anfang an von Gott vorgesehenen geistlichen Sinn erfüllt. Darum sagt er kurz vorher:

Mt 5,17 Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen! [SLT]

Dieses “Erfüllen” hat unmittelbar mit dem Geist, der von Anfang an in Gottes Gesetz war, zu tun. Paulus schreibt dazu:

Röm 7,14 Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, … [SLT]

Unser Herr hat – wie in diesem Beispiel des Verbots des Ehebruchs – das Gebot erfüllt und somit auf einen neuen Standard angehoben, indem er nicht den Akt an sich, sondern schon den Gedanken daran verurteilt.

Somit setzt unser Herr beim Ursprung unseres Problems an: bei unserem Herzen. Die Lehre der Pharisäer war auf den Buchstaben allein und auf ihre eigene Menschenlehre beschränkt, aber die göttliche Lehre unseres Meisters geht weiter – er erklärt …

… die geistliche Ebene des Gesetzes, die unser Innerstes verändern soll.

Auf diese Weise, indem er auf den Kern eingeht, füllt er die Gebote mit seinem geistlichen Inhalt, der von Anfang an von Gott vorgesehen war – aber erst durch seinen Sohn zur vollen Geltung gebracht wurde.

Röm 3,31 Setze ich etwa durch den Glauben das Gesetz außer Kraft? Im Gegenteil: Gerade so bringe ich es zur Geltung! [GNB]

Andere Bibeln übersetzen richtigerweise Mt 5,17 auch wie folgt:

Mt 5,17 Meint nur nicht, ich sei gekommen, das Gesetz und die Worte der Propheten aufzuheben. Nein, ich will sie nicht aufheben, sondern voll zur Geltung bringen! [HFA]

Und wie der Herr das Gesetz voll zur Geltung bringt, haben wir an dem kurzen Beispiel des Ehebruchs gesehen und werden wir in allen anderen Stellen seiner noch folgenden Lehre erkennen.

Da aber seine, wie bereits erwähnt, “Ich aber sage euch”-Formulierungen so klingen könnten, als würde er das Gesetz abschaffen und neue Gebote bringen, betont er – bevor er mit seinen “Ich aber sage euch”-Aussagen beginnt:

Mt 5,17-18 Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen! Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht ein Buchstabe noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. [SLT]

Es ist so ähnlich, wie wir es vielleicht selbst formulieren würden: “Verstehe mich bei dem, was ich dir gleich sagen werde bitte nicht falsch; daher lass mich vorher kurz etwas klarstellen…”; man greift auf diese Weise vor, sodass ja kein falsches Verständnis aufkommt, weiß aber gleichzeitig aus Erfahrung, dass dies dennoch häufig passiert.

Daher die Warnung unseres Herrn. Er greift in seiner Weisheit mit den Worten aus den Versen 17-20 vor, weil er weiß, dass man seine gleich ab Vers 21 folgenden Worte sehr leicht missverstehen könnte. Man könnte sehr schnell meinen, dass er durch seine Lehre das Gesetz abschaffen würde. Ähnliches tut er auch in Lk 16,16-17. Dort greift er aber nicht vor, sondern nach:

Lk 16,16-17 Bis Johannes der Täufer zu predigen begann, hörtet ihr auf das Gesetz Moses und die Propheten. Nun wird die Botschaft vom Reich Gottes verkündet, und die Menschen drängen sich mit Gewalt hinein. Doch das bedeutet nicht, dass das Gesetz seine Gültigkeit auch nur im geringsten verloren hätte. Es ist stärker und dauerhafter als Himmel und Erde. [NLB]

Hier stellt er im Nachhinein klar, dass seine Aussage in Vers 16 nicht das Gesetz abschafft. Warum macht er das? Weil gerade seine Feststellung “bis Johannes der Täufer hörtet ihr auf das Gesetz Moses” sehr schnell den Eindruck erwecken kann, dass das Gesetz mit dem Evangelium abgeschafft wurde. Dass das nicht sein kann, betont er durch seine Worte: Doch das bedeutet nicht, dass das Gesetz seine Gültigkeit auch nur im geringsten verloren hätte.

Genau die gleiche Vorgehensweise wiederholt er in Mt 5,17-20, nur dass er hier nicht nachfasst, sondern vorgreift und seine Haltung zum Gesetz Gottes klarstellt, damit man ihn ja nicht falsch versteht und vielleicht sogar noch meint, dass er gegen das Gesetz seines himmlischen Vaters gelehrt hätte.

Anmerkung: Uns ist bewusst, dass das breite Christentum das Gesetz Gottes als abgeschafft betrachtet, aber wir bitten dich, dass du dich an dieser Stelle nicht allzu sehr auf diesen Punkt versteifst, denn der Herr tut dies in seiner Rede auch nicht. Er stellt den Punkt mit dem Gesetz klar und deutet schon direkt an, dass das Halten der Gebote eine Art Grundlage ist, es ihm aber um unsere innere Veränderung geht, die er in den folgenden Versen lehren wird. Um diese eigentliche Lehre geht es ihm und so auch uns! Denn wir wollen alle erfahren, wie man die heiligen Worte erfüllt, die da sagen:

Röm 3,31 Setzen wir nun dadurch, dass wir alles vom Glauben abhängig machen, das Gesetz außer Kraft? Keineswegs! Das Gegenteil ist der Fall: Wir bringen das Gesetz dadurch erst richtig zur Geltung. [NGÜ]

Wie wir nun das Gesetz durch den Glauben erst richtig zur Geltung bringen, lehrt uns unser Herr und Meister Jesus in den nun folgenden Versen und Kapiteln der Bergpredigt.

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