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Wächter des Wortes – Wie prüft man Biblisches? – Teil 3: Zuerst im Wort

3. Zusammenhang, Zusammenhang, Zusammenhang.

Auch hier wieder direkt ein Beispiel:

Lk 16,16 Bis Johannes der Täufer zu predigen begann, hörtet ihr auf das Gesetz Moses und die Propheten. Nun wird die Botschaft vom Reich Gottes verkündet, und die Menschen drängen sich mit Gewalt hinein. [NLB]

Man könnte schnell meinen: “Siehst du: Das Gesetz ging nur bis Johannes. Ab Jesus gilt es nicht mehr.”; nun Vers 17:

Lk 16,17 Doch das bedeutet nicht, dass das Gesetz seine Gültigkeit auch nur im geringsten verloren hätte. Es ist stärker und dauerhafter als Himmel und Erde. [NLB]

Leider ist es sehr häufig so, dass ein, zwei Verse vorher oder nachher ein Missverständnis, wie z.B. dieses, nicht immer auflösen können. Oft muss man den ganzen Zusammenhang kennen. Und dieser ganze Zusammenhang ist manchmal ein Kapitel, manchmal ein ganzer Brief, aber am ehesten ist es – auch hier wieder logischerweise – die ganze Bibel.

Ein zweites Beispiel dafür, wie wichtig der Zusammenhang ist, ist der weit verbreitete “Mammon”. Dieser kann in der Tat für “Geldliebe” stehen, aber im Kontext der Bergpredigt steht er für etwas viel Wichtigeres:

Mt 6,24 Niemand kann zwei Herren dienen, denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon! [SLT]

Mit diesem Vers wird oft gesagt und gelehrt, dass unser Erlöser hier davor warne, Geld und Reichtum nachzujagen. Jedoch, wenn man den wahren Kontext kennt, weiß man, dass unser Meister diese Aussage in einem etwas anderen Zusammenhang trifft. Kennt man diesen Zusammenhang aber nicht, entgeht einem eine sehr wichtige und fundamentale Lehre für unser Leben. Denn im nächsten Vers steht geschrieben:

Mt 6,25 Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung? [SLT]

Dieses kleine, aber enorm hilfreiche Wörtchen “darum” (auf diese wichtigen Hilfswörter werden wir im vierten Teil näher drauf eingehen) lässt uns den eigentlichen Zusammenhang seiner Aussage verstehen. Es geht ihm nur indirekt um Reichtum und Geldliebe. Stattdessen geht es unserem Meister um etwas viel Grundlegenderes. Es geht ihm um unsere “Sorgen des Alltags”; wie z.B. ob wir morgen genug zu essen und zu trinken haben.
Geht man aber davon aus, dass der “Mammon = Geldliebe” ist, dann schrammt man völlig an der Kernaussage vorbei. Denn unser Meister warnt uns an dieser Stelle nicht vor dem “Betrug des Reichtums”, sondern er warnt uns davor, dass wir uns nicht um die alltäglichen Dinge Sorgen machen sollen, da wir doch im Glauben sicher sein können, dass wir einen allmächtigen, uns liebenden Vater im Himmel haben, der sich um uns kümmert. Darum …

Mt 6,31-33 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen?, oder: Was werden wir trinken?, oder: Womit werden wir uns kleiden? Denn nach allen diesen Dingen trachten die Heiden, aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles benötigt. Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden! [SLT]

Unser Herr warnt uns also nicht vor dem “Mammon” im Sinne von: “Vorsicht: Sehnt euch nicht nach Reichtum und Luxus.”, wie es vielleicht viele von uns abgespeichert haben, sondern er warnt uns vor den Sorgen um ganz alltägliche Dinge (völlig egal, was auch immer diese sein mögen). Wir sollen uns aber nicht Sorgen machen und in einer Art Dauerangst leben! Denn wenn unser himmlischer Vater schon die Tiere mit allem versorgt, was sie benötigen, wie viel mehr dann uns:

Mt 6,26 Seht die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht und ernten nicht, sie sammeln auch nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? [SLT]

Dies ist nur eines von vielen Beispielen, welches man sich vielleicht irgendwann mal in seinem Kopf abgespeichert hat, aber den Zusammenhang der Aussage nicht bzw. nicht mehr kennt. Es gibt zahlreiche andere Verse, bei denen viele von uns zwar den Vers selbst auswendig können, aber nicht wissen, was ein Vers vorher oder nachher geschrieben steht (geschweige denn den ganzen Zusammenhang). Dies birgt natürlich eine Gefahr in sich.

Diese Gefahr lässt sich v.a. in drei Punkte einteilen:

1. “Ich kenne den Zusammenhang der Stelle nicht und bin auch nicht willig genug, mir den Zusammenhang genauer anzusehen.”
Man könnte auch sagen, dass man zu bequem dafür ist. Ausreden, die dann häufig über unsere Lippen kommen sind: “Das ist nicht meine Berufung.”, “Ich bin kein Lehrer.”, “Wer soll das denn alles lesen? Außerdem verstehe ich das sowieso nicht.” usw. usf.
Gottes Geist möchte uns aber in die Wahrheit leiten. So wie versprochen. Wenn wir aber unseren himmlischen Vater nicht darum bitten und gleichzeitig auch nicht selbst etwas dafür tun, werden wir wahrscheinlich auch nicht in die Wahrheit geleitet werden.

2. “Nicht sein Wille, sondern mein Wunsch soll geschehen.”
Kein aufrichtig Gläubiger würde etwas Derartiges sagen oder gar denken. Dennoch ist es oft so, dass wenn uns und unserem trügerischen Herzen die isolierte Betrachtung eines Verses zusagt, wir diese Ansicht sofort und gerne annehmen – meist völlig unbewusst. Sagt uns der Inhalt aber nicht zu, dann suchen wir nach dem Zusammenhang oder (was viel häufiger passiert) wir sagen dann, dass es aber diesen und jenen Vers gibt, der etwas anderes aussagt. Diese Denk- und Vorgehensweise ist an sich erst einmal sehr gut: Denn jedes “wiederum steht geschrieben” in der Heiligen Schrift ist wichtig – aber eben jedes und immer. Oft ist es aber so, dass man diejenigen “wiederum steht geschrieben”-Verse ausklammert, die einem nicht schmecken und wiederum die annimmt, die einem zusagen. Auf diese Weise hat man dann immer die vermeintlich göttliche Bestätigung der eigenen Ansicht. So arbeitet unser Gehirn bzw. viel mehr: So arbeitet unser Fleisch – gegen den Geist (Gal 5,17). Daher, da uns das bewusst ist, sollte es bei einem aufrichtig nach der Wahrheit Suchenden nicht so sein!

3. “Ich nehme an = ich nehme auf”
Haben wir unsere individuelle Brille auf (die ein jeder von uns auf hat) und gehen mit vorgefertigten Annahmen an ein biblisches Thema, dann kann uns diese Brille regelrecht daran hindern, den eigentlichen Kern zu verstehen. Es kann sogar so weit kommen, dass wir genau das Gegenteil dessen als Wahrheit hinstellen, was eigentlich gemeint ist.

Hierfür gäbe es unzählige Beispiele. Im sechsten Teil werden wir ein wenig genauer auf diesen Punkt der “persönlichen Brille” eingehen.
Hier soll es als kleine Zusammenfassung dieses Teils genügen, dass wir uns immer wieder vor Augen führen sollten, dass abgespeicherte Verse oder generelle Verständnisse neu zu prüfen, sehr dienlich für unseren Wandel sein können. Wie? Natürlich in ihrem Gesamtzusammenhang. Dieses Mal aber nicht nur im Kontext des NTs, sondern im Kontext der ganzen Heiligen Schrift – ganz vorne beim Gesetz beginnend!

Zum Abschluss eine kurze Zusammenfassung dieses 3. Teils (als Fragen formuliert):

  • Erfasse ich die Wichtigkeit seines heiligen Gesetzes für mein Verständnis der Bibel? Kann es sein, dass es tatsächlich das Fundament der gesamten Heiligen Schrift ist?
  • Habe ich schon einmal an mir erkannt, dass ich Verse aus dem Kontext gerissen, und so falsch verstanden habe? Falls ja, kann es sein, dass noch weitere Missverständnisse und Menschenlehren in mir schlummern?
  • Gehe ich bei Fragen rund um die Heilige Schrift eher zu anderen und suche extern nach Antworten oder gebe ich mir Mühe, gehe zum Thron Gottes und suche dann selbst nach Antworten in seinem Wort? Habe ich Eifer, um seine Heilige Schrift zu verstehen? Suche ich aufrichtig und aus wahrhaftigem Herzen? Oder gehe ich den einfachen Weg?

Mt 7,13-14 Geht ein durch die enge Pforte! Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der ins Verderben führt; und viele sind es, die da hineingehen. Denn die Pforte ist eng und der Weg ist schmal, der zum Leben führt; und wenige sind es, die ihn finden. [SLT]

Daher gilt für uns alle, dass wir das, was wir aus dem Wort lernen dürfen, auch tun:

Jak 1,22 Seid aber Täter des Wortes und nicht bloß Hörer, die sich selbst betrügen. [SLT]

V1.0

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