Die Anwendung der zwei Methoden auf: “Ihr Frauen, Ihr Männer!
Noch einmal kurz die beiden zur Erinnerung:
Die erste Methode zu einem besseren, umfassenderen als auch tieferen Verständnis war: Was ist der Umkehrschluss der geschriebenen Aussage?
Die zweite Methode war: Sich die Frage zu stellen, warum genau das geschrieben steht und nicht etwas anderes?
Wir fangen mit dem Letzteren an.
Offensichtlich lässt sich die Frage erst einmal ganz allgemein so beantworten, dass das, was zu einem entsprechenden Thema geschrieben steht, wichtig ist. Logo.
Bezieht sich das Geschriebene auf ein umfangreiches und wichtiges Thema, dann gewinnen auch die Lehren dazu automatisch an Wichtigkeit. Auch Logo.
Wird dann das umfangreiche und wichtige Thema aber auf einige wenige Punkte heruntergebrochen, gewinnen diese wenigen Punkte natürlich umso mehr an Wichtigkeit. Ist es am Ende sogar so, dass es nur ein einziger Punkt ist, dann ist dieser natürlich umso mehr wichtig. Wird dieser eine Punkt dann auch noch mehrfach wiederholt, dann ist quasi das Maximum an Wichtigkeit erreicht, das uns der heilige Text versucht mitzuteilen.
Das perfekte und anschaulichste Beispiel hierfür ist sicherlich die Zusammenfassung des Gesetzes mit nur einem einzigen Wort: Liebe.
Und so ähnlich – genau genommen sogar nicht nur ähnlich, sondern genauso! – ist es auch hier. Nur geht es hier nicht ums Gesetz, sondern eben um die Ehe.
Das heißt: So wie man sagen kann: Die Erfüllung des Gesetzes ist die Liebe,
so kann man auch sagen:
Die Erfüllung der Ehe für die Ehefrau ist, dass sie sich unterordnet und den Ehemann fürchtet,
und
die Erfüllung der Ehe für den Ehemann ist, dass er seine Frau liebt, wie Christus die Gemeinde und sie ehrt und wertschätzt.
Was wiederum wäre der Umkehrschluss dieser Tatsache gemäß der ersten Methode?

Erfüllen Frau und Mann diese eine Sache nicht, erfüllen sie – aus Gottes Augen – das Allerwichtigste in der Ehe nicht.
Dieser Umkehrschluss noch einmal in anderen, klareren Worten:
Sage ich, dass ich ein guter Ehemann bzw. eine gute Ehefrau bin, aber ich erfülle diese eine Sache nicht, dann kann ich noch so viel von mir dieses oder jenes behaupten. Denn dann ist das am Ende entweder Unwissenheit über die Wichtigkeit dieser Punkte, weil sie einem nie so bewusst waren oder Selbstbetrug.
So oder so kommen wir mal wieder – zum x-ten Mal in dieser Serie – dadurch an einen Punkt, wo wir sehen können, dass auch hier die Selbsterkenntnis absolut entscheidend ist. Man muss wissen, warum man das nicht erfüllt, was da geschrieben steht. Soll heißen, dass man sich auch hierzu Selbstprüfungsfragen stellen sollte:
Als Ehemann:
“Gebe ich meiner Frau diese Liebe? Weiß sie, dass sie in meinen Augen wertvoll und kostbar ist? Fühlt sie sich von mir gewertschätzt, geehrt und so geliebt, wie Christus die Gemeinde liebt? Wenn nicht, warum nicht?”
Als Ehefrau:
“Ordne ich mich meinem Mann unter? In allem? Aus Glauben, Überzeugung und von Herzen? Weiß er das, dass dem so ist? Sieht er das im Alltag? In jeder Situation? Habe ich Ehrfurcht vor meinem Mann? Und wenn nicht, warum nicht?”
Unangenehme Fragen,
weil die an beide gestellten Ansprüche hoch sind.
Für Mann wie Frau.
Und wie es bei anspruchsvollen Anforderungen nahezu immer der Fall ist, meldet sich da sehr, sehr gerne unser schwaches Fleisch, genauer unser trügerisches Herz:
“Ist das wirklich so gemeint? Wie soll man seine Frau so lieben, wie Christus die Gemeinde?”, oder die Frau: “Wie dem Mann unterordnen – in allem? Und was ist mit ‘Ehrfurcht vor ihm haben’ gemeint? Das kann doch so nicht sein?! Galt dies alles nicht für damals? Heute kann man das doch nicht so sehen! Oder?”
In anderen Worten: Es ist ganz normal, ja, es liegt sogar in der Natur der Sache, dass sich das Fleisch bei solch hohen Anforderungen aufbäumt und etwas dagegen zu sagen hat. Aber das macht es deswegen nicht richtig. Was das eigene Fleisch einem zu sagen hat, sollte uns nicht interessieren, sondern logischerweise das, was Gott uns durch seinen Geist sagt, sollte unser Maßstab sein – egal wie hoch dieser auch sein mag!
Denn selbstlose Unterordnung und selbstlose selbstaufopfernde Liebe sind nicht unbedingt Dinge, die uns leicht fallen. Es steht nicht umsonst geschrieben:
Lk 9,23 Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.
Lk 14,27 Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, der kann nicht mein Jünger sein.

