Eure Fragen an uns – Joh 8 – Die Ehebrecherin

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Joh 8,1-11: Die Ehebrecherin

Da dies eine der am meist genannten Passagen ist, überspringen wir die elf Verse, die die meisten sowieso kennen und kommen gleich zu den wichtigsten Aussagen, die uns verstehen lassen, was hier eigentlich wirklich geschah.

Die Ausgangslage für unseren Herrn in dieser Situation war, wie so oft, die gleiche: Die Pharisäer kamen, und versuchten mit ihm zu debattieren. Oft war es aber gar keine Debatte ihrerseits, sondern eine Versuchung; d.h. sie versuchten unseren Herrn einer Sünde zu überführen. Dies war auch hier der Fall, wie wir gleich noch sehen werden.

Kurz zur “Sünde”: Was ist Sünde? Wie definiert Gott vor und nach dem Kreuz die Sünde? Da für unsere Betrachtung bzgl. der “Gültigkeit des Gesetzes” der Zeitpunkt nach dem Kreuz wichtig ist, eine Stelle aus dem Neuen Testament dazu:

1Joh 3,4 Jeder, der die Sünde tut, der tut auch die Gesetzlosigkeit; und die Sünde ist die Gesetzlosigkeit. [SLT]

Also ist die Übertretung der Gebote Gottes, welche wir im Gesetz finden, eine Sünde.

Da unser Herr aber ohne Sünde war, unterstrich er diese Tatsache und forderte die Menschen damals häufiger zu folgendem auf (wir lesen dazu im selben Kapitel):

Joh 8,46 Wer von euch überführt mich der Sünde? … [ZB]

Wie bereits erwähnt: Die Pharisäer versuchten es. Sie stellten ihm Fallen, damit er sündigt – also das Gesetz Gottes übertritt. Es ist an dieser Stelle wichtig anzumerken, dass unser Herr ihr menschliches Gesetz sehr häufig übertrat – und das provokant und bewusst; u.a. mit diversen Taten, die er am Sabbat beging. Da dieser Ruhetag von den Pharisäern regelrecht mit ihren selbsterdachten Menschengeboten vollgepackt wurde, stand er im besonderen Fokus unseres Herrn. Wir hatten die Verse bereits in dieser Serie zuvor:

Mk 7,7-9 Ihr ganzer Gottesdienst ist sinnlos, denn sie lehren nur Gebote, die sich Menschen ausgedacht haben. Das Gebot Gottes schiebt ihr zur Seite und haltet euch stattdessen an Vorschriften, die von Menschen stammen. Jesus fuhr fort: Sehr geschickt bringt ihr es fertig, das Gebot Gottes außer Kraft zu setzen, um eure überlieferte Vorschrift zur Geltung zu bringen! [GNB]

Der Beweis, dass sie bei Joh 8 den Herrn versuchten, das wahre Gesetz Gottes zu übertreten, lesen wir hier:

Joh 8,5-6 Nach dem Gesetz Moses muss sie gesteinigt werden. Was sagst du dazu? Damit wollten sie ihn zu einer Aussage verleiten, die sie gegen ihn verwenden konnten. Doch Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger in den Staub. [NLB]

Hier kommen sie also mit dem Gesetz (welches wir in den sog. fünf Büchern Mose finden) und stellen richtig fest, dass man eine derartige Tat mit dem Tode bestrafen soll. Jedoch gibt es Bedingungen für dieses Gebot:

5Mo 22,22 Wenn ein Mann bei einer Frau liegend gefunden wird, die eines Mannes Ehefrau ist, so sollen sie alle beide sterben, der Mann, der bei der Frau gelegen hat, und die Frau. Und du sollst das Böse aus Israel wegschaffen. [CSV]

Ferner gilt:

5Mo 19,15 Ein einzelner Zeuge soll nicht gegen jemand auftreten wegen irgendeiner Ungerechtigkeit und wegen irgendeiner Sünde, bei irgendeiner Versündigung, die er begeht; auf zweier Zeugen Aussage oder auf dreier Zeugen Aussage hin soll eine Sache bestätigt werden. [CSV]

An dieser Stelle gäbe es nun viel zu sagen, u.a. die Tragweite des Ehebruchs anzusprechen, welche in unserer heutigen Gesellschaft auf’s Extremste verharmlost wird. Aber um das Ganze an dieser Stelle nicht unnötig in die Länge zu ziehen, ein fiktiver Gedanke zu diesem lächerlichen Versuch der Pharisäer das Wort Gottes, unseren Herrn (der natürlich alle diese Gebote kennt), auf diese Weise zu versuchen. Er hätte für diese lächerliche Farce den Pharisäern auch wie folgt antworten können:

“So plump versucht ihr mich? Ihr wisst doch selbst, dass die Strafe nur dann ausgeführt werden kann, wenn es zwei oder drei Zeugen gibt. Wo sind diese? Selbst wenn ihr die Zeugen seid, wie kommt es, dass ihr sie alleine zu mir führt, wenn ihr sie doch beide dabei ertappt habt? Ihr wisst doch selbst, dass der Mann fehlt. Ich frage euch nun: Wie soll nun dieser Ehebruch stattgefunden haben? Ihr habt zwei Menschen bei dieser abscheulichen Sünde ertappt, schafft aber nur die Frau hier her? Wie soll das abgelaufen sein? Würde ich die Steinigung unter diesen unzureichenden Umständen bejahen, würde ich das Gebot meines Vaters übertreten. Also, was versucht ihr mich, Otternbrut?!”

Die Versuchung der Pharisäer ist nahezu beleidigend, aber eben nur für einen, der das Gesetz Gottes kennt, wie es unser Herr selbstverständlich in und auswendig tut. Wir wissen: Er ist das “Wort Gottes”.

Ein fiktives Beispiel, dass auch für uns heutzutage nachvollziehbar und ähnlich absurd wie diese Versuchung wäre:

Eine Person geht in einer Gemeinde umher, packt sich jemanden, den er oder sie nicht so gut leiden kann, stellt ihn vor die Ältesten und spricht: “Diesen habe ich soeben beim Stehlen der Geldbörse aus der Hose unseres Bruders ertappt. Sprecht das Urteil über ihn aus.”
Parallel zu unserem Fall in Johannes 8 fehlt aber das Diebesgut (also die Geldbörse), aber noch viel wichtiger: Wo ist der bestohlene Bruder? Der Dieb soll doch bei der Tat ertappt worden sein.
Kurzum: Es ist nichts und niemand da. Nur die Anschuldigung der einen Person steht im Raum. Würden jetzt die Ältesten die Person freisprechen, würden sie damit das Gebot gegen “Stehlen” aufheben?
Wenn wir so etwas hören würden, wäre für uns sofort die Absurdität der Situation klar und wir kämen nie auf die Idee, dass dadurch ein Gebot Gottes als aufgehoben erklärt werden würde.

Im Bericht über die “Ehebrecherin” aber, sehen wir nur die Güte, Barmherzigkeit und Vergebung Jesu – und dabei übersehen wir alles andere. Wirklich alles andere. Denn würden wir das Gesetz Gottes kennen und die Situation unter diesem Gesichtspunkt betrachten, würden wir sofort (ähnlich wie bei dem Beispiel zum Diebstahl) wahrscheinlich so etwas wie folgendes sagen: “Da stimmt doch hinten und vorne etwas nicht. Wie kommt es, dass die Frau alleine da ist. Die ganze Sache stinkt doch.”

Das tun wir aber nicht. Warum?

Unter anderen darum: Weil wir das Gesetz kaum kennen. Dadurch wird die ganze Situation größtenteils so gedeutet, als würde der Herr die “ungerechten Gebote” seines Vaters für die Liebe übergehen. Indirekt wird damit gesagt (wenn auch sicherlich oft unbewusst), dass unser sündenfreier Herr und Erlöser ein Gebot Gottes missachtet und aufhebt – und somit übertritt, d.h. sündigt. Was, wie wir wissen, unmöglich der Fall sein kann.

Unser Herr benutzt vielmehr die Situation und die Umstände (die, wie wir gesehen und gelesen haben, nicht zu einer Steinigung führen können) dazu, um den herumstehenden Menschen (und uns) etwas zu lehren. Unter anderem, dass die Meute selbst des Todes würdig ist, weil sie regelrecht steinigungswütig und mordlüstern sind – und das Ganze mit dem Balken im eigenen Auge.

Ob der Herr nun dieses Gebot Gottes übertreten hat, um der Frau zu vergeben oder die Umstände andere waren, sollte jeder für sich selbst prüfen.

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