Eure Fragen an uns – Joh 13,34 – Neues Gebot Jesu?

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Joh 13,34 Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander lieben sollt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt.
Joh 14,15 Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote! [SLT]

Diese und ähnliche Verse werden genommen, um zu zeigen, dass es nun neue Gebote gibt und die alten somit ihre Gültigkeit verloren haben.

Sollte dies der Fall sein, hätten wir wieder das gleiche Problem wie zu Beginn dieser Serie, nur dieses Mal umgekehrt: Es wird kein Gebot Gottes weggenommen, sondern eines hinzugefügt. Wir hatten zu diesem Problem schon einmal 5Mo 4,2 gelesen:

5Mo 4,2 Ihr sollt nichts hinzufügen zu dem Wort, das ich euch gebiete, und sollt auch nichts davon wegnehmen, damit ihr die Gebote des HERRN, eures Gottes, haltet, die ich euch gebiete. [SLT]

Hätte unser Herr also wirklich ein neues Gebot hinzugefügt, hätte er somit ein direktes Gebot übertreten und gesündigt. Und das ist – wie wir alle wissen dürfen – unmöglich.

Wie löst sich aber nun der vermeintliche Widerspruch der sog. “neuen Gebote”?

Der Schlüssel ist mal wieder das Lesen im Zusammenhang – in diesem Fall neun Verse weiter steht geschrieben, dass unser Herr folgendes sagt:

Joh 14,24 Wer mich nicht liebt, der befolgt meine Worte nicht; und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. [SLT]

D.h., dass das, was unser Meister sagt und lehrt, etwas ist, was vom Vater kommt. Und dieses neue Gebot, ist gleichzeitig auch ein altes, was bereits im Gesetz geschrieben stand und steht:

3Mo 19,18 Du sollst nicht Rache üben, noch Groll behalten gegen die Kinder deines Volkes, sondern du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Ich bin der HERR. [SLT]

Diese Formulierung “das neue Gebot, das ein altes ist” oder umgekehrt, ist nicht unsere Erfindung, sondern eine, die wortwörtlich aus der Heiligen Schrift stammt – und zwar in exakt im gleichen Zusammenhang: Gesetz Gottes und die Nächstenliebe; s. hierzu:

1Joh 2,7-10 Brüder, ich schreibe euch nicht ein neues Gebot, sondern ein altes Gebot, das ihr von Anfang an hattet; das alte Gebot ist das Wort, das ihr von Anfang an gehört habt. Und doch schreibe ich euch ein neues Gebot, was wahr ist in Ihm und in euch; denn die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint schon. Wer sagt, dass er im Licht ist, und doch seinen Bruder hasst, der ist noch immer in der Finsternis. Wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Licht, und nichts Anstößiges ist in ihm; [SLT]

Dieses neue Gebot, “dass wir einander lieben sollen” oder “unseren Nächsten bzw. Bruder lieben” sollen, ist kein “neues Gebot” in dem Sinne. Wie könnte das auch der Fall sein? Wie könnte gegenseitige Bruderliebe ein neues Gebot für einen Gott der Liebe sein (1Joh 4,8)?

Nur durch ein verzerrtes AT-/NT-Denken kann so ein Gedanke erst aufkommen. Gott war und ist Liebe – und das schon immer und er bleibt es auch für immer. Daher hat er natürlich direkt von Anfang an (wie wir in 3Mo 19,18 gelesen haben) die Liebe zum Nächsten geboten.

Aber wieso sagt dann der Herr “neues Gebot”?

Das sog. “Neue” an seinen Worten ist nicht das Gebot der Liebe an sich, sondern der Anspruch bei der Umsetzung. Was ist damit gemeint? Hierzu müssen wir uns lediglich den zweiten Teil seiner Aussage genauer ansehen, die er mit einem “damit” einleitet:

Joh 13,34 Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander lieben sollt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. [SLT]

Dieses “wie ich euch geliebt habe“, kann es vorher nicht gegeben haben. Wie denn auch? Der Sohn Gottes musste erst kommen und uns vorleben, was es heißt, dieses Gebot des himmlischen Vaters zu erfüllen.

Er setzte durch sein Leben einen neuen Maßstab für die Nächsten- bzw. Bruderliebe fest, damit wir uns so lieben, wie er uns geliebt hat. Wir kannten das Gebot schon vorher, aber wir kannten diese neue, aufopferungsvolle Form der Nächstenliebe nicht. Das ist das “Neue” für uns.

Joh 15,13 Größere Liebe hat niemand als die, dass einer sein Leben lässt für seine Freunde. [SLT]

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