Mt 5,19-Serie (5Mo 21,10-25,19)
Starrer Buchstabe vs. lebendige Weisung

5Mo 25,4 Du sollst dem Ochsen das Maul nicht verbinden, wenn er drischt. [CSV]

Zu diesem Vers schreibt Paulus:

1Kor 9,9-12 Ja, im Gesetz Moses steht geschrieben: »Du sollst dem Ochsen nicht das Maul verbinden, wenn er drischt«. Kümmert sich Gott etwa um die Ochsen? Oder sagt er das nicht vielmehr um unsertwillen? Denn es ist ja um unsertwillen geschrieben worden: Der, welcher pflügt, soll auf Hoffnung hin pflügen, und der, welcher drischt, soll auf Hoffnung hin dreschen, dass er an seiner Hoffnung auch Anteil bekommt. Wenn wir euch die geistlichen Güter gesät haben, ist es etwas Großes, wenn wir von euch diejenigen für den Leib ernten? Wenn andere an diesem Recht über euch Anteil haben, sollten wir es nicht viel eher haben? Aber wir haben uns dieses Rechtes nicht bedient, sondern wir ertragen alles, damit wir dem Evangelium von Christus kein Hindernis bereiten. [SLT]

Wie wir hier sehen können, wendet Paulus bei diesem Vers aus 5Mo 25 das Verständnis an, dass das Gesetz nebst dem Buchstaben eine lebendige Weisung und dazu noch geistlich ist (s. Röm 7,14); d.h. er nimmt das Gebot über den dreschenden Ochsen (welches natürlich auch so zu halten ist) und wendet es auf sich selbst an, indem er eine Parallele aufzeigt: Ochsen arbeiten, Paulus und seine Brüder arbeiten. Ochsen sollen für ihre Arbeit etwas zu essen bekommen und Paulus und seine Brüder sollen für ihre Arbeit etwas zu essen bekommen. In kurz: Derjenige, der für andere arbeitet, soll von diesen anderen den Lohn dafür bekommen. Dieses Geben und Nehmen ist ein göttliches Prinzip, welches Gottes Gerechtigkeit widerspiegelt.

Gäbe es z.B. diese und andere Auslegungen nicht, bei der sich die Bibel selbst auslegt und man würde hergehen und diesen Vers bzgl. des “dreschenden Ochsen” auf die Weise des Paulus’ anwenden, dann würde man sehr wahrscheinlich Spott und Hohn ernten. Aussagen wie: “Das ist aber eine gewagte und sehr weit hergeholte Auslegung!” wären sicherlich an der Tagesordnung. Aber, wie wir hier in 1Kor 9 sehen können, ist das keine weit hergeholte oder gewagte Auslegung, sondern ein Prinzip der Heiligen Schrift.

Im zweiten Buch Mose sind wir schon einmal ansatzweise auf die verschiedenen Arten der Anwendung eines Gebots eingegangen und haben uns dort die Frage gestellt: Was bedeutet es, sein Gesetz nicht nur als eine auf den Buchstaben begrenzte starre Schrift zu verstehen, sondern als eine göttliche Weisung?

Um diese Frage zu beantworten, gibt es sicherlich mehrere Ansätze. Eine der Möglichkeiten ist, sich die gleich folgenden Fragen zu jedem Gebot zu stellen und dann nach Antworten zu suchen:

1a. Was sagt der Text buchstäblich aus? Ganz ohne Wenn und Aber.
1b. Die zweite Unterfrage ist unmittelbar mit der ersten verbunden, da es ab und an auch Formulierungen gibt, die einen übertragenen Sinn haben, d.h. als Frage formuliert: Ist das Gebot wortwörtlich oder bildhaft gemeint? (Es folgen gleich Beispiele zu dieser und den anderen Fragen.)
2. Hat das Gebot eine weitreichendere, übertragbare Anwendung auf andere Bereiche in unserem Leben?
3. Wie kann ich das Gebot, wie z.B. ein Paulus in 1Kor 9, geistlich verstehen und anwenden?

Zu diesen drei bzw. vier Fragen möchten wir jeweils kurz und knapp ein paar Beispiele aus dieser Lesung zeigen, die dabei hilfreich sein könnten, nicht nur diese Portion, sondern generell den biblischen Text besser zu verstehen. Denn oft passiert es, dass man wortwörtlich mit bildhaft verwechselt. Oder vom Physischen auf’s Geistliche schließt und dann wieder zurück ins Physische geht und so alles durcheinander bringt. Oder mit besonders gravierenden Auswirkungen: Man vergeistlicht alles und übersieht und vernachlässigt dabei das ganz Offensichtliche: das physische Umsetzen der göttlichen Gebote. Zu allen diesen und anderen Gefahren werden wir im Anschluss direkt oder indirekt noch näher darauf eingehen.

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