Glauben wie ein Kind – Entrückung, wann?

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1Thes 5,9 Denn Gott hat uns nicht zum Zorngericht bestimmt, sondern zum Besitz des Heils durch unseren Herrn Jesus Christus… [SLT]

Wir werden vor der Drangsal entrückt und werden im Himmel sein, wenn hier unten auf der Erde die Trübsal sein wird.” oder “Wir sind nicht für das Gericht Gottes mit der Welt bestimmt; wir werden vorher von unserem Herrn entrückt.

Diese und ähnliche Aussagen hört man häufig. Ob sie im Einklang mit der Heiligen Schrift stehen, ist eine herausfordernde Frage. Warum?

Unter anderem darum, weil das Thema emotional so stark aufgeladen ist, dass es für viele – meist unbewusst – kaum bis gar keinen Spielraum für eine andere Sichtweise gibt; denn man geht ganz fest davon aus, dass niemand von den Gläubigen sich dieser schrecklichen Zeit aussetzen muss.

Unsicherheit, Trauer u.v.a. Angst spielen bei diesem Thema eine tragende Rolle. Diese Gefühle hindern uns daran, dieses Thema nüchtern, sachlich u.v.a. geistlich zu betrachten. Man kann verallgemeinert sagen:

Unser Urteilsvermögen ist durch unsere Emotionen getrübt.

Und da diese Gefühle, wie Unsicherheit, Trauer u.v.a. Angst sehr starke Emotionen sind, ist die Auswirkung auf Gottes Geist in uns auch extrem stark; soll heißen: Selbst wenn der Geist in uns, uns in die Wahrheit leiten möchte, stehen wir – mit unserem eigenen Willen – dem vielleicht entgegen:

Gal 5,17 Denn die menschliche Natur richtet sich mit ihrem Begehren gegen den Geist Gottes, und der Geist Gottes richtet sich mit seinem Begehren gegen die menschliche Natur. Die beiden liegen im Streit miteinander, und jede Seite will verhindern, dass ihr das tut, wozu die andere Seite euch drängt. [NGÜ]

So emotional aufgeladen das Thema auch sein mag, so stark könnten zukünftig die Auswirkungen auf unser Leben sein. Damit ist gemeint, dass es sein könnte, dass die Grundfesten unseres Glaubens erschüttert werden, wenn die Drangsal losgeht, aber die sog. “Entrückung” ausbleibt; denn in den meisten Köpfen hat sich, v.a. in unserer heutigen “Neuzeit” das Bild festgesetzt:

  • Drangsal für die gottlosen und
  • Entrückung für die Gott wohlgefälligen Menschen.

Jeder kann sich die Ausmaße sicherlich selbst vorstellen, wie sich das auf den Glauben und das Bild von Gott auswirken würde, wenn die Entrückung ausbleibt und man sich selbst mitten in der Drangsal wiederfindet. Für viele ist das absolut undenkbar, ja sogar “unmöglich”.

Unser Vorschlag ist daher – völlig losgelöst vom biblischen Verständnis und der Debatte wer nun richtig oder falsch liegt:

Auf das Beste hoffen, aber auf das Schlimmste vorbereitet sein.

Außer: Es gibt ausschließlich nur Verse, die zeigen, dass wir vorher entrückt werden und es gibt keinen einzigen Vers, der uns aufzeigt, dass wir uns auf Drangsal und Verfolgung vorbereiten müssen.

Es steht geschrieben:

Joh 15,20 (Jesus spricht:) Gedenkt an das Wort, das ich zu euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen[SLT]

Phil 1,29 Denn euch wurde die Gnade zuteil, für Christus da zu sein, also nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch seinetwegen zu leiden. [EU]

1Petr 4,17 Denn die Zeit ist da, dass das Gericht beginnt beim Haus Gottes; wenn aber zuerst bei uns, wie wird das Ende derer sein, die sich weigern, dem Evangelium Gottes zu glauben? [SLT]

2Tim 3,12 Und alle, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden Verfolgung erleiden. [SLT]

Mk 13,12-13 Es wird aber ein Bruder den anderen zum Tode ausliefern und der Vater das Kind, und Kinder werden sich gegen die Eltern erheben und werden sie töten helfen; und ihr werdet von allen gehasst sein um meines Namens willen. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden. [SLT]

Mt 24,9.29-31 Dann wird man euch der Drangsal preisgeben und euch töten; und ihr werdet gehasst sein von allen Heidenvölkern um meines Namens willen. … Bald aber nach der Drangsal jener Tage … wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen … und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Windrichtungen her, von einem Ende des Himmels bis zum anderen. [SLT]

Preisgegeben und getötet zu werden” ist Bestandteil der Drangsal, aber nach der Drangsal jener Tage” werden “seine Auserwählten von Engeln gesammelt“. Dieser Moment der Entrückung ist mit “starkem Posaunenschall” verbunden. Paulus gibt uns einen genaueren Einblick hierzu:

1Kor 15,51–52 Aber lasst mich euch ein wunderbares Geheimnis sagen, das Gott uns offenbart hat. Nicht jeder von uns wird sterben, aber wir werden alle verwandelt werden. Das wird in einem kurzen Moment geschehen, in einem einzigen Augenblick, wenn die letzte Posaune ertönt. Beim Klang der Posaune werden die Toten mit einem unvergänglichen Körper auferstehen, und wir Lebenden werden verwandelt werden, sodass wir nie mehr sterben. [NLB]

Im Einklang zu der Aussage unseres Herrn aus Mt 24 (“mit starkem Posaunenschall werden sie seine Auserwählten versammeln“) findet hier in 1Kor 15 “die Verwandlung der Lebenden beim Klang der Posaune” statt, die wiederum (laut Mt 24,29-31) nach der Drangsal jener Tage ertönen wird.

Anders formuliert: Durch den “Klang der Posaune” hat man einen genauen zeitlichen Markierungspunkt im Ablauf der Ereignisse in der Drangsal. Unser Herr spricht dann: “Bald aber nach der Drangsal jener Tage … wird er seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln“.

Diesen Ablauf der Geschehnisse finden wir zusammengefasst im 1. Brief an die Thessalonicher vor. Dort hatte man Paulus die “Frage nach denen, die schon gestorben sind” gestellt. Bei der Beantwortung lässt Paulus die Fragenden nicht im Unklaren und geht dabei auch auf die noch Lebenden beim Schall der Posaune ein:

1Thes 4,13-18 Nun zur Frage nach den Gläubigen, die schon gestorben sind. Wir wollten euch darüber nicht im Unklaren lassen, liebe Geschwister, denn ihr müsst nicht traurig sein wie die Menschen, die keine Hoffnung haben. Wenn wir nämlich glauben, dass Jesus gestorben und wieder auferstanden ist, dann können wir auch darauf vertrauen, dass Gott die, die im Glauben an Jesus gestorben sind, ebenso auferwecken wird. Denn mit einem Ausspruch des Herrn kann ich euch versichern, dass sie uns gegenüber – soweit wir bei der Wiederkunft des Herrn noch am Leben sind – nicht benachteiligt sein werden. Denn der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen. Ein Kommando wird gerufen und die Stimme eines Engelfürsten und der Schall der Posaune Gottes werden zu hören sein. Dann werden zuerst die Menschen auferstehen, die im Glauben an Christus gestorben sind. Danach werden wir, die noch am Leben sind, mit ihnen zusammen in Wolken fortgerissen werden zur Begegnung mit dem Herrn in der Luft. Und dann werden wir für immer bei ihm sein. Damit sollt ihr euch gegenseitig trösten. [NEÜ]

Auch hier sehen wir also den gleichen zeitlichen Ablauf. Bitte prüfe diesen für dich:

  1. Wiederkunft des Herrn.
  2. Schall der Posaune Gottes.
  3. Dann werden zuerst die Menschen auferstehen, die im Glauben an Christus gestorben sind.
  4. Danach werden wir, die noch am Leben sind, mit ihnen zusammen in Wolken fortgerissen werden zur Begegnung mit dem Herrn in der Luft.
  5. Und dann werden wir für immer bei ihm sein.

→ “… damit sollt ihr euch gegenseitig trösten.“; die Welt hat nicht diesen Glauben und diesen Trost, den wir haben sollen. Dennoch wird sie (also die Welt) zu einem Zeitpunkt in dieser Drangsal – im Gegensatz zu uns – Freude haben. Das wird aber nur so lange anhalten bis der Zorn Gottes über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen kommt, die Gottes Wahrheit nicht annehmen wollen:

Röm 1,18 Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten. [SLT]

Und dieser Zorn Gottes ist auch der Grund, warum einige den zeitlichen Ablauf bei der Entrückung durcheinanderbringen.

Ohne im Detail auf die zeitliche Abfolge aus Drangsal und Zorn Gottes einzugehen, können wir die zuvor gelesenen Verse in ganz kurz wie folgt zusammenfassen:

  • Der Zorn Gottes ist für die “Ungläubigen”.
  • Die Drangsal für die Gläubigen:

Apg 14,22 Sie stärkten die Jünger und ermutigten sie, dem Glauben treu zu bleiben, mit den Worten: Nur durch viel Bedrängnis können wir in das Reich Gottes eingehen. [ZB]

Bitte prüfe dieses Verständnis, denn es gibt einen gravierenden Unterschied in der Vorgehensweise Gottes: Daher sollte man Drangsal, Züchtigung, Gericht, Zorn Gottes und dergleichen nicht alle in einen Topf werfen und “ist gleich Trübsal” drauf schreiben. Das könnte verwirren und irreführend sein.

Abschließend zwei Passagen aus der Heiligen Schrift, die v.a. die unterschiedliche Vorgehensweise Gottes mit den Gehorsamen und Ungehorsamen aufzeigen. Den ersten Vers hatten wir bereits, aber dieses Mal im Zusammenhang:

1Petr 4,16-18 Wer dagegen leidet, weil er ein Christ ist, der braucht sich nicht zu schämen. Er soll Gott dafür danken, dass er zu Christus gehört. Denn es ist Zeit für das Gericht Gottes, und es beginnt bei denen, die zu ihm gehören. Wenn aber schon wir gerichtet werden, welches Ende werden dann die nehmen, die Gottes rettende Botschaft ablehnen! Wenn schon der nur mit knapper Not gerettet wird, der nach Gottes Willen lebt, wie wird es erst denen ergehen, die von Gott nichts wissen wollen und seine Gebote mit Füßen treten? [HFA]

Die kurze Zusammenfassung dieser Stelle:

  • Dass ein “Gläubiger leidet“, ist normal.
  • Das “Gericht Gottes beginnt bei denen, die zu ihm gehören.“; andere übersetzen wie folgt: “Gericht Gottes bei seiner Gemeinde den Anfang nimmt.
  • Diejenigen, “die nach Gottes Willen leben, werden mit knapper Not gerettet“.
  • Und diejenigen, die “Gottes rettende Botschaft ablehnen“, werden keine Rettungsmöglichkeit haben.

Wir sehen also auch hier wieder das bereits erwähnte Muster:

  • Gott ablehnende Menschen werden kaum eine Chance haben.
  • Völlig unabhängig davon wird das Gericht bei denen beginnen, die zu ihm gehören.

Dieses “das Gericht Gottes beginnt bei denen, die zu ihm gehören und die Rettung erfolgt nur mit knapper Not” ist eine zur weit verbreiteten Meinung völlig entgegengesetzte Wahrheit. Dennoch ändert das nichts daran, dass sie sehr klar und leicht verständlich so geschrieben steht.

Die Drangsal ist also nicht für diejenigen, die “Gottes rettende Botschaft ablehnen“, nein, sondern der Zorn Gottes ist es.
Die Drangsal selbst ist wiederum nicht für sie, sondern für uns!

Wer also glaubt, dass unser Herr für den aktuellen “Zustand der Gläubigen” wiederkommt und uns – so wie wir gerade sind – zu sich nimmt, der täuscht sich sehr!

Wir brauchen diese Drangsal, damit der Leib Christi als Ganzes endlich “ernst macht”; d.h. die Drangsal wird uns erst dahin bringen, wo Gott uns haben will, nämlich dass wir uns nicht durch die Sorgen als auch die Freuden dieser Welt ablenken lassen, sondern Buße tun, zur Einheit kommen und ihn und sein Angesicht ernstlich suchen:

Hos 5,15 Ich werde davongehen, an meinen Ort zurückkehren, bis sie ihre Schuld erkennen und mein Angesicht suchen werden; in ihrer Drangsal werden sie mich ernstlich suchen; [SLT]

Wir Menschen ticken nun einmal so: Geht es uns gut, suchen wir nicht groß nach Veränderung, geht um uns herum aber (im übertragenen Sinn und dann in der Drangsal im wortwörtlichen Sinn) “die Welt unter”, dann schreien wir zu Gott. Da der Allmächtige das natürlich weiß, kommt die Drangsal – ihm sei es gedankt, denn diese uns reinigende Züchtigung ist gleichzeitig auch ein Beweis seiner Liebe:

Spr 3,11-12 Mein Sohn, verwirf nicht die Züchtigung des HERRN und sei nicht unwillig über seine Zurechtweisung; denn wen der HERR liebt, den züchtigt er, wie ein Vater den Sohn, an dem er Wohlgefallen hat. [SLT]

Paulus kannte natürlich diese Vorgehensweise unseres himmlischen Vaters und zeigt uns, durch den Geist Gottes geleitet, das gleiche Muster hinsichtlich der Verfolgungen und Bedrängnisse auf. Es steht geschrieben:

2Thes 1,3-8 Wir sind es Gott schuldig, allezeit für euch zu danken, Brüder, wie es sich auch geziemt, weil euer Glaube über die Maßen wächst und die Liebe jedes Einzelnen von euch zunimmt allen gegenüber, sodass wir selbst uns im Hinblick auf euch rühmen in den Gemeinden Gottes wegen eures standhaften Ausharrens und eurer Glaubenstreue in allen euren Verfolgungen und Bedrängnissen, die ihr zu ertragen habt. Sie sind ein Anzeichen des gerechten Gerichtes Gottes, dass ihr des Reiches Gottes würdig geachtet werdet, für das ihr auch leidet; wie es denn gerecht ist vor Gott, dass er denen, die euch bedrängen, mit Bedrängnis vergilt, euch aber, die ihr bedrängt werdet, mit Ruhe gemeinsam mit uns, bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht, in flammendem Feuer, wenn er Vergeltung üben wird an denen, die Gott nicht anerkennen, und an denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorsam sind. [SLT]

Die Stelle bringt es auf den Punkt:

  • Die Gemeinden Gottes sollen “standhaft in allen Bedrängnissen und Verfolgungen ausharren, die wir ertragen müssen.”
  • Denn sie sind ein “Anzeichen des gerechten Gerichtes Gottes”, indem wir für das “Königreich Gottes leiden und für würdig erachtet werden.
  • Dann, “bei der Offenbarung unseres Herrn von Himmel her”, wird es “Vergeltung” und Zorn für diejenigen geben, die “Gott nicht anerkennen” wollen.

Wir sehen auch hier wieder das bereits erwähnte Muster:

Der Zorn Gottes ist für diejenigen, die “Gott nicht anerkennen“,
die Bedrängnis und die Verfolgung aber sind für uns.

Bitte prüfe diese und am besten alle anderen Verse zu diesem Thema.

Eine wichtige Frage zum Abschluss:

Was wäre, wenn die sog. “Entrückung” wirklich nach der Drangsal jener Tage geschehen würde, man aber zuvor allen erzählt hätte, dass man als Gläubiger, bevor das Chaos ausbricht, entrückt wird? Was würde dann in den Köpfen und Herzen der Menschen vor sich gehen, wenn sie zuvor der festen Überzeugung waren, dass sie all das Leid nicht hätten mit ansehen müssen und dann doch mittendrin sind? Wie würde sich das auf ihren Glauben auswirken? Wie auf ihr Verständnis von Gott? Wie wäre ihre emotionale Verfassung, wenn sie begreifen würden, dass sie nicht entrückt worden sind? Ist einem selbst die Tragweite klar, was das alles für Auswirkungen hätte, wenn man ein solches Verständnis vertritt und anderen mitgibt, es dann aber vielleicht doch anders kommt als gedacht – für einen selbst und für andere?

Wir möchten abschließend betonen, dass wir in Christus die Zuversicht, den Glauben, die Hoffnung und die Verheißungen Gottes auf unserer Seite haben – wenn wir bis zum Ende ausharren:

Mk 13,13 und ihr werdet von allen gehasst sein um meines Namens willen. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden. [SLT]

Gnade mit uns allen.

PS: Unser Herr beschreibt das Szenario aus Drangsal und Entrückung auf diese Weise (trost- und kraftspendendere Worte kann es kaum geben):

Joh 16,20-21 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und wehklagen, aber die Welt wird sich freuen; und ihr werdet trauern, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. Wenn eine Frau gebiert, so hat sie Traurigkeit, weil ihre Stunde gekommen ist; wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, dass ein Mensch in die Welt geboren ist. [SLT]

V1.6b