Eure Fragen an uns – 2Kor 3,6 – Buchstabe tötet?

Text: VideoMP3PDF

2Kor 3,6 der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes; denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. [SLT]

Hier werden zwei Wörter einander entgegengestellt: Buchstabe und Geist. Der eine tötet, der andere macht lebendig.
Aber was ist mit “nicht Diener des Buchstabens … denn der Buchstabe tötet.” gemeint? Denn offenkundig kann man einem Buchstaben nicht dienen und noch weniger kann ein Buchstabe töten. Die Frage ist daher: Für was benutzt Paulus diesen sog. “Buchstaben“? Wofür steht er im übertragenen Sinne?

In der Fußnote der “Guten Nachricht Bibel” kann man zu diesem Vers eine kurze Notiz lesen: “Dies (also die Aussage aus 2Kor 3,6) wird in Röm 7–8 breit ausgeführt.”
Nicht dass Fußnoten ausschlaggebend wären, aber tatsächlich geht Paulus in diesen beiden Kapiteln viel genauer auf das Thema ein als hier in 2Kor 3,6.

Es ist sogar so, dass die Erklärung aus dem Zusammenspiel von “Gesetz, Gnade, Buchstabe, Fleisch und Geist” nicht nur in den Kapitel 7+8 besprochen wird, sondern sich über Römer 3-8 hindurchzieht. So natürlich auch der in 2Kor 3,6 erwähnte Zusammenhang aus: Gesetz und “Leben & Tod”.

Klarheit über diese zwei bzw. drei Punkte (Gesetz und Leben & Tod) bringt ein Vers aus dem Gesetz selbst:

5Mo 30,19 Ich nehme heute Himmel und Erde gegen euch zu Zeugen: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt; so erwähle nun das Leben, damit du lebst, du und dein Same; [SLT]

Schnell könnte hier der Einwand erfolgen: “Ja, aber das is’ aus dem Alten Testament. Das Gesetz kann nicht den Weg zum Leben zeigen.”:

Röm 7,10 So brachte mir das Gebot, das mir eigentlich den Weg zum Leben zeigen sollte, stattdessen den Tod. [NLB]

Wiederum steht geschrieben:

Röm 8,3 Das Gesetz konnte uns Menschen kein Leben bringen, weil… [GNB]

Auf dieses von ihm erwähnte “weil” und den vermeintlichen Widerspruch zwischen Röm 7,10 und Röm 8,3, der so häufig in Paulus seinen Aussagen aufzutauchen scheint, werden wir am Ende noch näher eingehen.

Hier können wir erst einmal festhalten, dass laut Paulus seinen Worten in Röm 7,10 das Gesetz den Weg zum Leben zeigen sollte. Aber wir wissen, dass es das nicht hat. Warum?

In kurz, und ohne auszuholen: Bei der in 5Mo 30,19 beschriebenen Wahl zwischen Leben und Tod im Gesetz muss der Glaube und Gottes Geist unser Handeln bestimmen und nicht unsere menschliche Natur, die entweder das Falsche wählt oder nur den Buchstaben des Gesetzes tut.

Dieses Befolgen des Buchstabens geschieht nicht aus Glauben in dem Sinne. Was ist damit gemeint?
Diese Art und Weise des Gehorsams ähnelt sehr stark dem, wie man menschengemachte Doktrinen, Traditionen und dergleichen aufrecht hält. So ähnlich wie man das heutzutage in allen Religionen der Welt tut. Man befolgt ein Regelwerk.
Auf diese Weise will man Gott wohlgefällig sein, d.h. man will sich seine Liebe und Gnade erarbeiten. Wir wissen alle, dass das die falsche Herzenshaltung ist (Gal 5,4).

Aber bestimmt genau diese gefallene Natur unser Denken und Handeln (und nicht der Glaube und der Geist Gottes), dann bringt das Gebot, das uns eigentlich den Weg zum Leben zeigen sollte, stattdessen den Tod:

Gal 5,16-17 Was will ich damit sagen? Lasst den Geist Gottes euer Verhalten bestimmen, dann werdet ihr nicht mehr den Begierden eurer eigenen Natur nachgeben. Denn die menschliche Natur richtet sich mit ihrem Begehren gegen den Geist Gottes, und der Geist Gottes richtet sich mit seinem Begehren gegen die menschliche Natur. Die beiden liegen im Streit miteinander, und jede Seite will verhindern, dass ihr das tut, wozu die andere Seite euch drängt. [NGÜ]

Paulus beschreibt hier unseren, so häufig erwähnten, inneren Kampf:
Die eine Seite ist unsere “menschliche Natur“, unsere “Begierden“, unser Ego. Die andere ist der “Geist Gottes” in uns. Und “diese beiden liegen im Streit miteinander“. Daher sollen wir nicht unserem Fleisch dienen (was den Tod bringt), sondern wir sollen dem Geist dienen, der lebendig macht – so wie in 2Kor 3,6 beschrieben.

Dieser hier anschaulich beschriebene innere Streit zwischen menschlicher Natur und Gottes Geist erschwert die richtige Wahl zwischen Leben & Tod. Daher schrieb Paulus auch, den bereits gelesenen Vers:

Röm 7,10 So brachte mir das Gebot, das mir eigentlich den Weg zum Leben zeigen sollte, stattdessen den Tod. [NLB]

In diesem Vers, wie in 5Mo 30,19 auch, sehen wir, wie bereits erwähnt, den Gegensatz aus “Leben & Tod” in Verbindung mit dem Gesetz. Um mehr Klarheit über diese drei Punkte und ihr Zusammenspiel zu erhalten, müssen wir die Worte Paulus weiterlesen; denn im Laufe dieser kurzen Serie zu den “Einwänden zu Gottes Gesetz” konnte man mehrfach erkennen, dass ein isoliertes Betrachten von Versen gefährlich ist.

Daher noch einmal die eingangs erwähnte Frage zu Röm 7,10: Warum “brachte das Gebot, das den Weg zum Leben zeigen sollte, stattdessen den Tod“? Ist das Gesetz schlecht und hat es uns wirklich den Tod gebracht, wie es Röm 7,10 eindeutig zu sagen scheint? Wir lesen weiter und versuchen die Worte des Paulus besser zu erfassen:

Röm 7,11-13 Denn die Sünde benutzte es für ihre Zwecke: sie täuschte uns Leben vor und tötete uns – eben durch das von ihr missbrauchte Gebot. Es bleibt also dabei: Das Gesetz ist der heilige Wille Gottes, und die Gebote sind heilig, gerecht und gut. Hat dann etwa das Gute, das Gesetz, unseren Tod bewirkt? Auf keinen Fall! Die Sünde war schuld; sie hat das gute Gesetz benutzt, um uns den Tod zu bringen. So sollte sie ihr wahres Gesicht zeigen und sich durch den Missbrauch des Gesetzes in ihrer ganzen Verworfenheit enthüllen. [GNB]

Das Problem ist also nicht das heilige Gesetz Gottes, also das Gute, sondern wir selbst und die Sünde, die uns innewohnt, sodass wir nicht immer das tun, was wir tun wollen:

Röm 7,14-17 Es steht außer Frage: Das Gesetz ist »geistlich«, es kommt von Gott. Wir aber sind »fleischlich«, das heißt schwache Menschen, der Macht der Sünde ausgeliefert. Wir sind uns nicht im Klaren darüber, was wir anrichten. Wir tun nämlich nicht, was wir eigentlich wollen, sondern das, was wir verabscheuen. Wenn wir aber das Böse, das wir tun, gar nicht tun wollen, dann beweist das, dass wir dem Gesetz zustimmen und seine Forderungen als berechtigt anerkennen. Nicht wir sind es also, die das Böse tun, vielmehr tut es die Sünde, die sich in uns eingenistet hat. [GNB]

Dieser “sich in uns eingenisteten Sünde” und unserem Fleisch sollen wir nicht dienen, denn dieser Dienst ist der Dienst aus 2Kor 3,6, der tötet. Diesem stellt Paulus das Gesetz entgegen, welches aus dem Geist Gottes ist:

Röm 7,14 Es steht außer Frage: Das Gesetz ist »geistlich«, es kommt von Gott. Wir aber sind »fleischlich«, das heißt schwache Menschen, der Macht der Sünde ausgeliefert. [GNB]

Man kann an dieser Stelle völlig interpretationsfrei für Röm 7,10-17 festhalten: Nicht das gute und heilige Gesetz, sondern die Sünde bewirkt den Tod. Daher kann unmöglich der Dienst am Buchstaben, der tötet, der Dienst am Gesetz sein; denn das Gesetz sollte uns ja – ebenfalls interpretationsfrei – nicht den Tod, sondern das Leben bringen. Wir hatten den Vers bereits zwei Mal, aber weil er so wichtig in diesem Zusammenhang ist:

Röm 7,10 So brachte mir das Gebot, das mir eigentlich den Weg zum Leben zeigen sollte, stattdessen den Tod. [NLB]