Mt 5,19-Serie (5Mo 21,10-25,19)
Starrer Buchstabe vs. lebendige Weisung

Das nächste Beispiel: Das erste Ehejahr.

5Mo 24,5 Wenn ein Mann vor kurzem eine Frau geheiratet hat, so soll er nicht in den Krieg ziehen, und es soll ihm keinerlei Sache auferlegt werden; er soll ein Jahr lang frei sein für sein Haus und seine Frau erfreuen, die er genommen hat. [CSV]

Dieser Vers hat zwei Aussagen: Zum einen das Verbot, nicht in den Krieg zu ziehen und zum anderen das Gebot, seine Frau zu erfreuen. Die Kombination aus beiden zeichnet ein Bild, welches einen starken Fokus darauf legt, dass das erste Ehejahr in den Augen unseres Gottes ein besonderes Jahr ist. Er stellt uns sozusagen von gewissen (nicht allen) Verpflichtungen frei, damit das Ehepaar sich ihrer neu geschlossenen Ehe erfreuen kann.

Es könnte sein, und es wird so sein, dass sich hinter diesem Gebot eine viel größere Tiefe befindet, als wir vielleicht auf den ersten Blick erahnen können. Es könnte z.B. sein, dass das “auf sich gegenseitig Konzentrieren ohne größere Ablenkung” ein gesundes Fundament legt, welches ansonsten durch Ablenkung nicht so entstehen könnte. Vielleicht in Ansätzen vergleichbar mit dem ersten Jahr eines Babys, welches eine besonders nahe und ungestörte Verbindung zu der Mutter benötigt.
So oder so sollten wir dieses Gebot, wie jedes andere auch, nicht außer Acht lassen, denn wir wissen ja, dass die Ehe unserem Gott heilig ist. Sehr heilig.

Das nächste Beispiel: Der gepfändete Mühlstein.

5Mo 24,6 Man soll nicht Mühle noch Mühlstein pfänden; denn wer das tut, pfändet das Leben. [CSV]

So ähnlich wie mit dem Vogel und seinen Jungen, geht es auch hier um die Erhaltung des Lebens und um Nachhaltigkeit. Versteht man dieses Gebot als eine Weisung und wendet sie auch auf andere Bereiche des Lebens an, könnte man z.B. auch das Helfen von Armen in der dritten Welt nach diesem Prinzip ausrichten; denn Geld zu spenden ist zwar schön und gut, aber es ist nicht nachhaltig. Es sorgt nicht für das dauerhafte Überleben. Was wäre aber, wenn man ihnen z.B. die Möglichkeit geben würde, selbst Geld zu erwirtschaften, indem man eine sinnige Investition für sie tätigt? Indem man ihnen z.B. anstatt Geld einen Mixer spendet, und sie dazu ermuntert, ihn für Touristen und das Verkaufen von frischen Säften zu benutzen. So hätte man nicht einmalig Geld gespendet, sondern man wäre dem Prinzip der Nachhaltigkeit und Erhalt des Lebens gefolgt, indem man ihnen eine nachhaltige Möglichkeit zum Erhalt des Lebens geboten hätte.
Natürlich ist das ein stark vereinfachtes Beispiel, aber vielleicht genügt es zur Veranschaulichung der übertragenen Anwendbarkeit dieser göttlichen Weisung aus 5Mo 24,6.

Am Ende gilt natürlich immer: Die größte und wichtigste Nachhaltigkeit ist die Wahrheit Gottes über seine Gnade in Christus. Und nur diese Wahrheit führt durch aufrichtige Buße und Umkehr zum wahren Erhalt des Lebens. Das heißt in anderen Worten, dass selbst in diesem kleinen Gebot das mit wichtigste geistliche Prinzip der Frohen Botschaft Gottes steckt. Aber all das, wie zuvor erwähnt, nützt nichts, wenn wir nicht danach handeln.

Was uns zum letzten Beispiel bringt: Fremde, Witwen und Waisen.

5Mo 24,19-22 Wenn du deine Ernte auf deinem Feld hältst und eine Garbe auf dem Feld vergisst, so sollst du nicht umkehren, um sie zu holen: Für den Fremden, für die Waise und für die Witwe soll sie sein, damit der HERR, dein Gott, dich segne in allem Werk deiner Hände. Wenn du deine Oliven abschlägst, so sollst du nicht hinterher die Zweige absuchen: Für den Fremden, für die Waise und für die Witwe soll es sein. Wenn du deinen Weinberg liest, so sollst du nicht hinterher Nachlese halten: Für den Fremden, für die Waise und für die Witwe soll es sein. Und du sollst dich daran erinnern, dass du ein Knecht im Land Ägypten gewesen bist; darum gebiete ich dir, dies zu tun. [CSV]

Fremde, Witwen und Waisen haben eine Gemeinsamkeit: Sie haben in gewisser Weise ihre Zugehörigkeit zu etwas verloren. Der Fremde zu seiner Heimat, die Witwe zu ihrem Ehemann und die Waise zu den Eltern. Geistlich gesehen erfüllten wir als Gläubige einst alle diese drei Faktoren. Auch wir hatten keinen geistlichen Ehemann, keinen himmlischen Vater und keine wahre Heimat. Wir alle waren in geistlicher Weise in Ägypten gefangen, wurden aber durch Gottes Wahrheit aus ihr befreit. Und daran sollten wir uns immer erinnern! Ganz so wie zuvor beim Gebot um die Edomiter und Ägypter. Noch einmal der Vers dazu:

5Mo 23,8 Den Edomiter sollst du nicht verabscheuen, denn er ist dein Bruder. Den Ägypter sollst du nicht verabscheuen, denn du bist ein Fremder in seinem Land gewesen. [CSV]

Es gibt eine weitere Parallele zwischen der Witwe und der Waisen: Beide konnten sehr wahrscheinlich zur damaligen Zeit nicht für sich selbst sorgen. In der westlichen Welt mag das vielleicht nicht mehr ganz zutreffen, aber in anderen Bereichen der Welt ist das immer noch so. Was wir daraus als Weisung lernen dürfen, ist, dass unser uns liebende Vater von seinen Söhnen und Töchtern erwartet, dass sie sich um seine anderen Kinder kümmern, die nicht für sich selbst sorgen können. Damit ist nicht zwingend die materielle Fürsorge gemeint (die natürlich auch), sondern vielmehr diejenige, die sich um die Herzensangelegenheiten unserer Geschwister bemüht. Hierzu können Probleme gehören, wie Verletzungen im Herzen, fehlende Annahme und Liebe oder auch Mangelerscheinungen des Brotes des Himmels betreffend; sprich welche die das Wort Gottes ausgelegt und vorgelebt benötigen, weil sie es von sich aus nicht so gut verstehen können.
Was es am Ende auch sein mag, eines können wir durch die gesamte Heilige Schrift erkennen: Unser himmlische Vater ist um seine hilfsbedürftigen Kinder besorgt (und damit sind eben nicht nur Hungernde gemeint, sondern weit, weitaus mehr). Er erwartet von denen, die helfen können, logischerweise auch, dass sie denen helfen, die Hilfe benötigen. Diese Anforderung (eigentlich Selbstverständlichkeit) macht unser Herr und Meister in den Worten seiner allerletzten Lehre für uns klar. Wie? Indem er in seinem letzten Gleichnis alle Menschen vereinfacht in zwei Gruppen teilt:

Mt 25,40 Und der König wird ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan! [SLT]

Und zu der anderen Gruppe sagt er Folgendes:

Mt 25,45-46 Dann wird er ihnen antworten: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir auch nicht getan!  Und sie werden in die ewige Strafe hingehen, die Gerechten aber in das ewige Leben. [SLT]

V1.0

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